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Fledermäuse haben Superkräfte — zumindest wenn es um tödliche Krankheiten geht

Anna Schughart 23.02.2016 Lesezeit 3 Min

Warum haben Fledermäuse kein Problem mit Ebola? Wissenschaftler aus Australien haben herausgefunden: Weil ihr Immunsystem allzeit bereit ist.

2014 breitete sich das Ebola-Virus in Westafrika aus und tötete insgesamt mindestens 11300 Menschen. Doch was hat die Epedemie ausgelöst, wo hielt sich das Virus versteckt? Unter dringendem Verdacht stehen Fledermäuse.

Viren haben meist sogenannte Reservoirwirte. Das sind Organismen, in denen sich das Virus ausbreiten kann, ohne dem Wirt wesentlich zu schaden. Von dort greift das Virus dann auf den Endwirt über. Im Fall von Ebola: auf den Menschen.

Fledermäuse scheinen ganz hervorragende Reservoirwirte zu sein. Mehr als einhundert Viren können es sich in den Fledermäusen gemütlich machen. Darunter sind dann auch für den Menschen tödliche Krankheiten wie zum Beispiel MERS oder das Hendra Virus. Doch warum sterben nicht massenweise Fledermäuse an diesen Krankheiten?

Wissenschaftler der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) in Canberra, Australien, haben sich das Immunsystem der Fledermäuse genauer angeschaut und dabei entdeckt, dass es einige entscheidende Unterschiede zum Menschen hat.

Im Fokus der Studie stand dabei vor allem die angeborene Immunantwort. Es gibt zwei Arten, mit denen unser Körper auf Eindringlinge reagiert: die adaptive und die angeborene Immunabwehr. Bei der adaptiven Immunität lernt unser Körper mit gewissen Krankheitserregern umzugehen, er passt sich an sie an. Die angeborene Immunantwort, ist dagegen weniger „flexibel“. Dieser Teil unserer Immunantwort passt sich nicht dem Fremdkörper an, sondern ruft Mechanismen ab, die uns schon angeboren sind. Ein sehr wichtiger Teil dieser angeborenen Immunität sind Interferone. Sie verhindern, dass sich ein Virus vermehrt.

Genau diese Interferone sind der Schlüssel, um zu verstehen, warum Ebola und andere Viren den Fledermäusen so wenig antun können — und das, obwohl sie erst mal wie eine Schwachstelle klingen: Fledermäuse haben nämlich nur drei Interferontypen. „Das ist nur ein Bruchteil — etwa ein Viertel— dessen, was wir beim Menschen finden“, sagt Michelle Baker von der CSIRO.

Die CSIRO-Wissenschaftler untersuchten daraufhin zwei Interferontypen und stießen auf die zweite Überraschung: Die Fledermäuse scheinen ihr Immunsystem überhaupt nicht runterzufahren. Es ist 24 Stunden, 365 Tage im Jahr, in der ersten Reihe aktiv. Das wäre für andere Säugetiere gefährlich, sagt Baker: „Das ist zum Beispiel giftig für Gewebe und Zellen. Das Fledermausimmunsystem operiert dagegen in Harmonie.“

Fledermäuse kontrollieren tödliche Krankheitserreger also mit einer viel geringeren Zahl an Interferonen, diese sind aber dauernd aktiv — und den Fledermäusen scheint das nichts auszumachen. Wie sie das machen, weiß man momentan noch nicht genau.

Baker und ihre Kollegen hoffen jetzt natürlich, dass sich das, was sie über die Fledermäuse gelernt haben, übertragen lässt: „Wenn wir das Immunsystem von anderen Spezies so umleiten können, dass es sich ähnlich wie das von Fledermäusen verhält, könnten hohe Todesraten wie die von Ebola der Vergangenheit angehören.“