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Warum Mercedes-Benz und Tesla (wieder) zusammenarbeiten sollten

Michael Förtsch 30.10.2018 Lesezeit 3 Min

Vor zehn Jahren kamen Tesla und Daimler gut miteinander aus und arbeiteten sogar zusammen. Nun könnte sich der Daimler-Chef eine erneute Kooperation vorstellen – oder zumindest ausschließen will er sie nicht. Das könnte vor allem an den kürzlichen Erfolgen von Tesla liegen.

Als Tesla im Jahr 2008 die erste Fassung seines Roadster auf den Markt brachte, waren viele der großen Automobilgiganten sehr skeptisch, ob sich das E-Auto-Start-up länger als fünf Jahre halten könnte. Eine Ausnahme war jedoch der deutsche Autogigant Daimler, der Tesla versuchsweise mehrere Smart-Kleinstwagen in E-Autos umrüsten und Komponenten für die kurzlebige Elektro-B-Klasse produzieren ließ. Im Mai 2009 hatte Daimler sogar 9,1 Prozent der Anteile an Tesla gekauft – ein Investment, das Tesla durch die Finanzkrise rettete. Allerdings verscherbelte der Mutterkonzern von Mercedes-Benz seine Anteile schon wenig später an den Staatsfond von Abu Dhabi und den Rest nach dem Börsengang von Tesla.

Seitdem herrschte Schweigen zwischen den beiden Autobauern. Abgesehen von Zulieferverträgen und natürlich Elon Musks stichelnder Kritik, dass ein Konzern mit Milliardenumsätzen wie Daimler mutiger und spendabler sein müsste, wenn es um Elektrifizierung und alternative Antriebsarten geht. Nun hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche jedoch in einem Interview verlauten lassen, dass er für eine erneute Zusammenarbeit mit Tesla durchaus offen sei. Der Konzern bereue es nicht, die Tesla-Aktien damals abgestoßen zu haben. Aber das würde eine Kooperation nicht unmöglich machen – selbst wenn Daimler nicht unbedingt erneut Anteile an Tesla kaufen wolle.

Sollten Tesla und Daimler gemeinsam investieren?

Ein Grund für die sachte Annäherung von Zetsche könnte sein, dass Tesla zwischen Juli und September in den USA mehr Fahrzeuge verkauft hat als Mercedes-Benz – vor allem dank des vergleichsweise günstigen Model 3, das mittlerweile in stabilen Stückzahlen vom Band rollt. Insgesamt konnte Tesla im dritten Quartal dieses Jahres 69.925 Fahrzeuge verkaufen – gegenüber den 66.542 des deutschen Autobauers. Dazu hat Tesla in diesem Jahr das erste Mal statt Schulden wieder einen Gewinn eingefahren. Daraufhin hatte der Großinvestor Baillie Gifford angekündigt, wenn nötig, gerne mehr Geld in Tesla zu stecken, wenn Elon Musk es wolle.

Tatsächlich dürfte eine Kooperation sogar bald einfacher werden. Denn Daimler will sich unter dem Titel Projekt Zukunft umstrukturieren und aufspalten, um mit dem Silicon Valley und China mitzuhalten. Die derzeitigen Unternehmenssparten sollen als eigene PKW-, LKW- und Mobilitätsunternehmen ausgegliedert und dadurch schneller und freier werden – auch und vielleicht sogar vor allem als Kooperationen, Aufkäufe von Start-ups und internationale Joint Ventures angeht.

Natürlich: Fraglich ist, wie eine potentielle Zusammenarbeit von Tesla von Daimler – oder genauer: Mercedes-Benz – ausschauen könnte. Sicher ist: Tesla hat nach Jahren der stringenten Investition einen Vorsprung bei der E-Mobilität und kann sich selbst mit hochwertigen Speicherzellen versorgen. Das zeigt sich auch bei den Leistungs- und Reichweitenwerten des Mercedes EQC‎, die hinter denen der Tesla-Fahrzeuge zurückliegen. Dazu fehlt Mercedes-Benz eine dichte und zuverlässige Ladeinfrastruktur. Genau hier könnten beide Unternehmen durch einen Technologie- und Know-How-Austausch, die Entwicklung von Standards und gemeinsame Investitionen in ein E-Tankstellen-Netz voneinander lernen und zusammen profitieren. Auch eine marken- und marktübgreifende Car-Sharing-Plattformen wäre denkbar, um sich gegen die ambitionierten Pläne von VW zu rüsten.