/Business

Krebsvorsorge: Dieser Sensor sagt euch, wie viel UV-Strahlung eure Haut abbekommt

Pia Ceres (WIRED US) 19.11.2018 Lesezeit 4 Min

Der Kosmetikriese L’Oréal will offenbar zum Technologieanbieter werden. Bisher exklusiv bei Apple in den USA bietet er einen wasserfesten Sensor an, der sich einfach an die Kleidung klippen lässt – und misst, wie viel schädliche UV-Strahlung die Haut abbekommt. Das Mini-Gerät könnte damit einen Beitrag zur Hautkrebsvorsorge leisten.

Die Zukunft der tragbaren Hautpflege-Technologie ist ungefähr so groß wie ein M&M. L’Oréal hat gerade einen winzigen UV-Sensor mit dem (nicht gerade kurzen) Namen La Roche-Posay My Skin Track herausgebracht. Der wird an der Kleidung befestigt und misst die UV-Belastung des Trägers. Bekommt der zu viel Sonnenlicht ab, bekommt er eine Warnung aufs Smartphone. In zu großen Mengen kann UV-Strahlung die Haut schädigen und Hautkrebs verursachen.

Das kleine Gerät ist die neueste Entwicklung aus dem Tech Incubator von L'Oréal, dem Forschungs- und Entwicklungslabor des Kosmetikunternehmens. „Wir arbeiten an Projekten rund um die personalisierte Schönheit“, sagt Guive Balooch, der vor fast sieben Jahren den Inkubator startete und heute ein 35-köpfiges Team leitet. Der tragbare UV-Sensor ist eine Weiterentwicklung des 2016 erstmals vorgestellten, kostenlosen UV-Messaufklebers My UV Patch. Im vergangenen Januar präsentierte L'Oréal dann einen Prototyp namens UV Sense, den man sich auf den Fingernagel kleben konnte. Nun entwarf man zusammen mit einem Schweizer Industriedesigner die jetzige Form des Clipsensors.

Hautkrebs ist die häufigste Krebsart

Die Messung der UV-Belastung könnte die Krebsvorsorge entscheidend verbessern. Denn UV-Strahlung verursacht DNA-Schäden, die zu Hautkrebs führen, der in Deutschland inzwischen die häufigste Krebsart ist. Guive Balooch hofft, dass die Menschen eher zur Sonnencreme greifen oder in den Schatten gehen, wenn sie wissen, dass sie ihre Haut gefährden. Außerdem glaubt er, dass das Produkt für L’Oréal ganz neue Kundenschichten erobern kann.

Derzeit ist der Sensor in den amerikanischen Apple-Stores und auf der amerikanischen Apple-Webseite erhältlich. Die Begleit-App ist aber sowohl für iOS- als auch für Android-Geräte verfügbar. Ob es das Device auch nach Deutschland schafft, ist noch nicht bekannt. Der wasserdichte UV-Sensor benötigt weder Akku noch Bluetooth, er zieht seine Energie aus dem Sonnenlicht. Aufs Smartphone schickt er die Daten über eine integrierte NFC-Antenne.

Der Sensor erkennt UVA-Strahlung, ein patentierter Algorithmus berechnet daraus auch die UVB-Belastung. Zwar lässt sich UVB-Strahlung eigentlich einfacher messen – doch ist es laut Guive Balooch wesentlich komplexer, daraus auch Rückschlüsse auf die UVA-Belastung zu ziehen, die tief in die Haut eindringt und für die sichtbaren Anzeichen von Hautalterung und Hautkrebs verantwortlich ist.

Statistiken über die Hautbelastung

Die App bietet auch Statistiken über die Hautbelastung eines Benutzers. Es verwendet die standortbezogenen Daten eines Telefons, um dem Nutzer Informationen über Luftfeuchtigkeit, Luftqualität und Pollen in seiner Umgebung zur Verfügung zu stellen. Ein Algorithmus berücksichtigt dann sowohl die UVA/UBV-Informationen des Sensors als auch die ortsabhängigen Strahlungsdaten, um bei hohen Belastungswerten Warnmeldungen zu erzeugen. Die Benutzer haben auch die Möglichkeit, La Roche-Posay-Produkte innerhalb der App zu kaufen.

„Es geht darum, sicherzustellen, dass jeder so viele Informationen wie möglich über seine Haut erhält“, sagt Balooch. Der Sensor und die App setzen den Trend fort, ultraindividuelle, datenbasierte Schönheitstipps anzubieten, die Kosmetikunternehmen zunehmend in ihre Marketing-Strategie aufgenommen haben.

Männer werden als Zielgruppe attraktiver

My Skin Track UV ist exklusiv bei Apple erhältlich. Die App zeigt auch Daten über das HealthKit von Apple an. Die Partnerschaft deutet darauf hin, dass L'Oréal mehr als nur ein Make-up-Unternehmen werden und die Grenzen zwischen Kosmetik und Technologie verwischen möchte. Zum einen ist der Clip im Gegensatz zum Fingernagel-Prototyp dezenter und geschlechtsneutral. „Männer sind heute viel pflegebewusster als noch vor zehn Jahren“, sagt Sanjukta Pookulangara, die an der University von Nord-Texas Einzelhandel und Konsum erforscht. Die zunehmenden Investitionen der Männer in Haut- und Körperpflege könnten ein vielversprechendes neues Geschäftsfeld für L'Oréal bedeuten.

Darüber hinaus profitiert L'Oréal durch die Zusammenarbeit mit Apple von der Markenbekanntheit des Technologieriesen. „Wir haben Studien über Markentreue, Markenbekanntheit und Markenwissen durchgeführt, und diese haben einen direkten Einfluss auf die Kaufabsicht“, sagt Pookulangara. Die Verbraucher, insbesondere diejenigen, die sich möglicherweise nicht als Kunden von L'Oréal betrachten, könnten sich für den Kauf des Produkts entscheiden, da sie dem guten Ruf von Apple bei Wearable-Produkten vertrauen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED.com
Das Original lest ihr hier.