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Künstliche Intelligenz: Christie's versteigert Bild einer KI für 432.500 US-Dollar

Ben Hartlmaier, WIRED Staff 26.10.2018 Lesezeit 3 Min

Christie's hat als erstes Auktionshaus der Welt ein Bild versteigert, das von einem selbstlernenden Algorithmus erstellt wurde. Das Portrait brachte dabei mehr als vierzigmal so viel ein, wie ursprünglich geschätzt. Die Gruppe hinter der KI soll den Algorithmus allerdings nicht selbst entwickelt haben.

Das Bild mit dem Titel Portrait of Edmond de Belamy ist eines von insgesamt 11 Bildern, die von dem Pariser Künstlerkollektiv Obvious und dem von ihnen programmierten Algorithmus geschaffen wurden. Die Porträts der Reihe zeigen die Mitglieder der fiktiven Belamy-Familie. Bei der KI handelt es sich um ein sogenanntes Gernerative Adversarial Network, kurz GAN. Trainiert wurde es mit 15.000 Portraits aus dem 14. bis 20. Jahrhundert, wie Hugo Caselles-Dupré Obvious gegenüber Christie's erklärt.

Signiert ist das Kunstwerk mit einem Ausschnitt des Algorithmus, mit dessen Hilfe es erschaffen wurde. Ob die KI damit auch als Urheber gilt, ist jedoch Interpretationssache: "Wenn der Künstler derjenige ist, der das Bild erschafft, dann ist das die Maschine", sagt Caselles-Dupré. "Wenn der Künstler derjenige ist, der die Vision hat und eine Botschaft teilen will, dann sind wir das". Kunst im eigentlichen Sinne habe die Machine für ihn jedoch nicht erschaffen, wie Caselles-Dupré von Christie's zitiert wird: "Die Maschine wollte mit Sicherheit keine Emotionen in die Bilder bringen. Und in der Forschung ist die Vorstellung, dass ein Roboter eine lebensweltliche Erfahrung hat und daraus etwas Neues macht vorerst pure Science-Fiction."

Bei seiner ursprünglichen Schätzung des Portraits war das Auktionshaus von einem Wert zwischen 7.000 und 10.000 US-Dollar ausgegangen. Den Zuschlag erhielt letztlich ein anonymer Bieter für einen Preis von 432.500 US-Dollar. Obvious will den Erlös für die Weiterentwicklung des Codes verwenden. Allerdings sieht sich die Künstlergruppe seit einigen Tagen dem Vorwurf ausgesetzt, sie habe die KI zu großen Teilen nicht selbst entwickelt, sondern dafür Code von einem 19-jährigen Programmierer namens Robbie Barrat verwendet, wie The Verge berichtet. Laut dem Portal habe Obvious bereits zugegeben, auch Code von Barrat benutzt zu haben, um das Portrait zu produzieren. Obwohl unklar sei, wie groß der Fremdanteil am Code genau ist, vermuten Experten laut The Verge, dass es sich dabei um einen "substantiellen" Anteil handele. Barrat hatte seinen Code unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht.