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Keine Lust auf Google-Produkte? Das sind die Alternativen

Michel Penke 29.09.2018 Lesezeit 7 Min

Maps, Chrome, Drive – wir haben uns sehr an sie gewöhnt. Doch es gibt bessere Optionen, findet unser Autor. Eine Liste der besten No-Google-Angebote.

Ein Leben ohne Google können sich viele heute gar nicht mehr vorstellen. Auch in Deutschland haben sich 20 Jahre nach der Gründung des Internetkonzerns viele Millionen Nutzer an all die Google-Produkte wie Gmail, Drive und Maps gewöhnt. Dabei wissen wir alle, wie sehr der IT-Konzern von unserer Bequemlichkeit und Sorglosigkeit profitiert. Überall sammelt Google Daten über uns. Viele kennen gar keine Alternativen mehr. Dabei gibt es unzählige Wettbewerber, die besser, sicherer, schicker oder einfach weniger datenhungrig sind.

Auch ich habe lange Zeit Googles Produkte genutzt. Doch da mir die Firma immer unsympathischer wurde, bin ich Programm für Programm umgestiegen. Hier ein paar Tipps, welche Programme du ausprobieren solltest, wenn du nicht mehr nur auf Google setzen willst.

Das beste Pferd im Stall: Google Suche

Googles Kernprodukt ist die Suche. Und gerade bei dieser hat Google der Konkurrenz immer noch viel voraus, denn das Indexieren und sekundenschnelle Durchsuchen des Netzes ist keineswegs trivial. Wettbewerber wie Startpage greifen deswegen auch auf Google zurück – anonymisieren dabei jedoch die Anfrage. Der Nutzer bekommt also Googles Ergebnisse, ohne seine Identität preiszugeben. Wer mit seinen Websuchen die Umwelt unterstützen will, kann auf die Suchmaschine Ecosia zurückgreifen, die 80 Prozent ihrer Einnahmen für die Wiederaufforstung spendet. Auch dieser Anbieter greift auf die Ergebnisse einer anderen Suchmaschine zurück und anonymisiert: in diesem Fall aber das weniger beliebte Bing von Microsoft. Ohne fremde Hilfe versuchen es die französische Suchmaschine Qwant und der US-Anbieter DuckDuckGo, die sich strenge Datenschutzregeln auferlegt haben. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Browserplugins, die versprechen, via Proxy-Server Google-Suchanfragen zu anonymisieren. Für Chrome ist das beispielsweise Stealthy.

Chrome – der gierigste aller Datensauger

Apropos Chrome: 64 Prozent Marktanteil – so viel vereinigt Googles Browser weltweit auf sich. Im datensensibleren Deutschland sind es immerhin noch 38 Prozent. Nach dem neuesten Update saugt Chrome mehr Daten denn je von seinen Nutzern und ignoriert auch Cookie-Lösch-Befehle. Dabei gibt es viele andere Wettbewerber, die weniger unverhohlen spionieren. Da sind zum einen die großen Konkurrenten Safari, Firefox und Microsoft Edge und Opera. Wobei nur Mozillas Firefox wirklich für den Datenschutz eintritt. Ausprobieren sollten Chrome-Abtrünnige aber auch einmal die kleinen Störenfriede Vivaldi und Brave. Während sich der Opera-Spross Vivaldi als Community-Browser sieht und seine Nutzer stark in die Weiterentwicklung einbezieht, experimentiert Brave mit einem neuen Konzept des Adblockers. Außerdem werkelt das Entwicklerteam an einem Blockchain-basierten Bezahlsystem.

Gezwungen zu Gmail

Persönlich kann ich Gmail nichts abgewinnen. Weder das Design noch die Funktionen sprechen mich an. Dass Google viele Jahre lang Mails mitlas und für Werbezwecke auswertete, war für mich ein absolutes No-Go. Trotzdem nutze ich Gmail – gezwungenermaßen. Denn das Redaktionspostfach arbeitet mit dem Firmenservice des Google-Dienstes. Wer beruflich nicht zu Gmail verdonnert wird, kann beispielsweise auf Posteo umsteigen. Der Dienst ist zwar nicht umsonst, kostet aber nur einen Euro pro Monat und wirbt für sich als sichere, ökologisch saubere Alternative. In der gleichen Preisklasse hat sich auch Mailbox.org positioniert, das zusätzlich zum Mailservice noch einen Cloud-Dienst mitliefert. Protonmail aus der Schweiz bietet auch kostenlose Accounts an, verlangt für Pro-Features dann aber bereits vier Euro pro Monat.

Drive – me away!

Es gibt wohl kaum ein Produkt von Google, das so austauschbar ist wie Drive. Cloudservice-Anbieter gibt es viele. Alle großen Internetkonzerne sind mittlerweile in das Geschäft eingestiegen. So gibt es kostenlose Angebote von Microsoft, Dropbox, Apple und Amazon. Doch ob diese vor Spionage sicherer sind, ist fraglich. Weniger bekannte Anbieter sind Sync aus Kanada, pCloud aus der Schweiz und Spideroak aus den USA, das Edward Snowden einst empfahl.

Es muss nicht immer Docs sein

Doch halt! Google Drive bietet ja nicht nur Speicherplatz, sondern mit Google Docs auch ein kollaboratives Office-Paket. Aber auch damit ist der US-Konzern nicht alleine. Für Geschäftskunden haben Quip und Zoho Bezahlvarianten im Angebot, die mehr können als Google. OnlyOffice und Dropbox Paper stellen hingegen kostenlose Angebote ins Netz. Als Open-Source-Option gibt es noch Etherpad, dessen Design aber meiner Meinung nach ein wenig retro ist.

Lost in Marrakesch: Maps vs. Here

Mein Abschied von Googles Map-Dienst begann hingegen nicht am heimischen PC sondern in Marrakesch. Denn in den engen Souks und kleinen Marktgassen war Google so verwirrt, dass ich zwei Stunden brauchte, um den Ausgang des Stadtviertels zu finden. Die Folge: Ich stieg auf den Karten-Wettbewerber Here um, der von Nokia gegründet wurde und derzeit der deutschen Autoindustrie gehört. Denn die braucht möglichst exakte räumliche Daten für die geplanten autonomen Fahrzeuge. Und tatsächlich ist Here meiner Erfahrung nach nicht nur in Ländern wie Marokko, Somalia und Kamerun genauer – die Standortsuche funktioniert auch ohne Internetverbindung. Auf Deutschlands Straßen dürften die Unterschiede zwischen Google und Here gering sein. Aber wenigsten saugt Here keine Standortdaten ab, wenn man es verbietet – ganz anders als Google.

Bastle deine eigenen News

Google News steht derzeit unter heftigem politischen Beschuss. Mit dem Leistungsschutzrecht versuchen allen voran deutsche Verlage, Googles Dienst europaweit zum Zahlen zu zwingen. Der Service kuratiert Nachrichten verschiedener Medien und zeigt kurze Ausschnitte an. Das können aber auch viele andere Anbieter. Denn die Technik dahinter ist alt, sie heißt RSS. Auch bei Feedly, Upday oder Flipboard kann sich jeder eine eigene Newsseite zusammenstellen. Ich nutze jedoch nur die völlig individualisierbaren RSS-Reader Palabre und Read, weil sie meinen Wünschen am meisten entgegenkommen.

Youtube: Schminke, Trash und Nazis

Viel wird über Facebooks bösen Algorithmus geredet und wie er die Gesellschaft spaltet. Wenig sprechen wir darüber, dass Youtube – vor allem bei jungen Usern – genau das Gleiche tut. Auch Googles Videoplattform begünstigt mit seinem Algorithmus emotionalisierende, polarisierende Themen und spült so überdurchschnittlich viele Videos von extremen Rechten in die Timelines. Leider ist Youtube so marktdominierend, dass sich – außer in kleinen Nischen wie Vimeo für Kurzfilme – niemand behaupten kann. Trotzdem kann man sich des lästigen bis schädlichen Youtube-Algorithmus entledigen, der zumindest mir auch nach Jahren der Nutzung noch Schminktipps und schlechte Comedy-Videos von hyperventilierenden Teenagern vorschlägt. Denn auch Youtube-Kanäle verfügen über RSS. Genau wie sich Medien in RSS-Readern wie Feedly und Flipboard abonnieren lassen, so können auch Youtube-Channel eingefügt werden. So bekommt man nur noch die Inhalte, für die man sich ursprünglich interessiert hat.

Translate – doch die Kölner sind besser

Bei der Sprachübersetzung kommt Googles größter Konkurrent aus Köln: Deepl. Das Startup wertete jahrelang unter anderem die offiziellen Regierungsdokumente der EU aus, denn diese werden in alle 24 Amtssprachen übersetzt. So kam das Unternehmen an hochwertige Übersetzungen und bot den Dienst lange unter Linguee.de kostenlos als Übersetzungshilfe an. Seit einem Jahr hat das Startup mit Deepl jedoch einen neuen, besseren Dienst. Und der ist Google Translate meiner Erfahrung nach deutlich überlegen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene
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