Ich weiß, wo deine Katze wohnt! Eine Forschungsprojekt veranschaulicht die Verbreitung von privaten Daten im Netz

Olivia Solon 23.07.2014 Lesezeit 3 Min

Das Datenexperiment I Know Where Your Cat Lives markiert Katzen auf einer Landkarte, mithilfe von Metadaten, die sich aus öffentlich geposteten Bildern extrahieren lassen. Dadurch soll deutlich werden, welche Unmengen von persönlichen Daten wir täglich im Internet hinterlassen.

„Das Projekt erforscht zwei wichtige Aspekte des Internets: die allgemeine Begeisterung für domestizierte Hauskatzen – und das Ausmaß, in dem Startups und internationale Großkonzernen private Daten nutzen, auf die sie durch den allgemein gesunkenen Datenschutz zugreifen können“, erklärt der Entwickler Owen Mundy.

Volkszählung: Je dunkler das Blau, desto mehr Katzen leben laut dieser Karte in einem Land.


Die Verbindung zwischen beidem: Die mehr als 15 Millionen auf öffentlich zugänglichen Seiten getaggten Katzenfotos enthalten Metadaten, die Rückschlüsse darauf zulassen, wo sich die Halter der Tiere aufgehalten haben, als sie die Bilder aufnahmen. Das zeigt, dass sich jeder bewusst machen sollte, welche Spuren er im Alltag bei der Nutzung elektronischer Medien hinterlässt.

Seltsamer Artgenosse: Manchmal wird auch gleich noch der Aufenthaltsort von anderen Haustieren verraten.

Für das Projekt verortete Mundy, Assistenzprofessor an der Florida State University, gemeinsam mit der Computerwissenschaftlerin Alissa McShane eine Million öffentlich zugänglicher Katzenfotos auf einer Karte. Dafür nutzten sie die in den Metadaten enthaltenen Längen- und Breitengrade. Die Bilder stammten aus öffentlich zugänglichen Bildportalen, wie Flickr, Twitpic oder Instagram und wurden auf einem Supercomputer nach speziellen Kriterien sortiert. Außerdem sind auf der Website Diagramme zur geografischen Verteilung der Katzenfotos verfügbar.

Um die Website zunächst für ein Jahr zu finanzieren, rief Mundy außerdem eine Kickstarter-Kampagne ins Leben, die erfolgreich abgeschlossen wurde. 32 Gigabyte Katzendaten verursachen schließlich eine ganze Menge Traffic, für den schnelle Server mit hoher Bandbreite benötigt werden. Kostenpunkt: rund 2500 Dollar.

Katzenbesitzer können die Fotos ihrer Haustiere jederzeit von der Website entfernen – ganz einfach, indem sie die Datenschutzeinstellungen ihrer Bilder auf den jeweiligen Portalen ändern.

Verschwunden: Ändert ein Nutzer die Privatsphäreeinstellungen, wird das zugehörige Bild entfernt.

Auch andere Projekte haben schon darauf hingewiesen, wie viele Daten wir im Web unwissentlich preisgeben. Please Rob Me griff zum Beispiel mithilfe der Suchfunktion von Twitter auf standortbasierte Nachrichten zu, die darauf hindeuteten, dass ihre Verfasser möglicherweise nicht zu Hause waren.

Im vergangenen Jahr wurden außerdem die Websites GeoSocial Footprint und Ready or Not gestartet. Sie ermöglichen Usern, die Standortdaten einzusehen, die sie mit ihren täglichen Tweets im Netz hinterlassen. Und erst vor kurzem wurde ein Bustier vorgestellt, der immer durchsichtiger wird, je mehr Daten seine Trägerin postet.

Noch bedenklicher war der Algorithmus, der von einem Team der University of Birmingham entwickelt wurde: Er wertete Standortdaten mit dem Ziel aus, die Position eines Nutzers für 24 Stunden vorherzusagen - auf bis zu 20 Meter genau. Da ist es vielleicht endgültig Zeit für einen Besuch im Faraday Café