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Kartoffel-Blockchain-Start-up verschwindet und hinterlässt nur das Wort „Penis“

Michael Förtsch 02.07.2018 Lesezeit 3 Min

Ein Start-up versprach eine Blockchain, um Kartoffeln vom Acker bis zum Küchentisch zu verfolgen. Es war ein Fake, der mit einem Wort endete: "Penis". Nun wollen andere Start-ups solche peinlichen ICO-Betrügereien verhindern.

Die Blockchain soll die Lösung für so ziemlich alles sein, was nachprüfbar und fälschungssicher verfolgt werden soll. Daher wundert es wenig, dass ein angeblich in Litauen beheimatetes Start-up namens Prodeum versprach, mittels Blockchain den Anbau und Transport von landwirtschaftlichen Produkten wie Kartoffeln bis zur Verarbeitung nachvollziehbar zu machen.

Anfang des Jahres hatte das Start-up ein ICO abgehalten, um 5.400 Ether einzusammeln – seinerzeit rund 6,5 Millionen US-Dollar. Damit wollte es angeblich seine Idee umsetzen. Tatsächlich brachte der ICO am Ende offenbar kaum Geld ein, Berichten zufolge nur zwischen elf und 100 US-Dollar. Nach dem ICO löste sich das vermeintliche Start-up in Luft auf. Auf seiner Webseite hinterließ es nur ein Wort: Penis.

ICO-Scams die Millionen einsammelten

Andere ICO-Scams waren da deutlich erfolgreicher: Das Betrügerteam hinter BeneBit konnte 2,7 Millionen US-Dollar einsacken. Die Macher von Plexcoin sammelten gar 15 Millionen US-Dollar. Das Pseudo-Kryptowährungs-Start-up LoopX schaffte es, 4,5 Millionen US-Dollar anzuhäufen, bevor es untertauchte. Eine vietnamesische Gruppe soll mit den zwei Scheinprojekten PinCoin und Ifan gar 660 Millionen US-Dollar abgezockt haben. Derartige Fälle sind leider keine Seltenheit: Bei einer Studie des Wallstreet Journal zeigen sich von 1.450 untersuchten ICOs ganze 271 zumindest als sehr zweifelhaft. Genau hier wollen nun verschiedene Start-ups ansetzen – und ICO-Betrügereien voraussagen und potentielle Investoren schützen.

Wassermelone mit KI

Geht es nach den Machern von Watermelon Block soll Künstliche Intelligenz die Lösung sein. Sie wollen eine Plattform schaffen, die ICOs katalogisiert und Metadaten dazu aus sozialen Netzwerken und traditionellen Medien zieht. IBMs KI Watson soll die Daten anschließend durcharbeiten und einen Wert für die Glaubwürdigkeit generieren, den Melon Score. Dabei sollen Follower-Zahlen, Reputation der Autoren und andere Faktoren einfließen – und die KI mit jedem Erfolg dazulernen. Auch die Top 500 Kryptowährungen sollen eingeschätzt und ihre zukünftiger Wertentwicklung prognostiziert werden.

Noch weit vor dem Start eines ICO will wiederum TruStory erkennen, ob möglicherweise ein Betrug im Gange ist. Dafür möchte das Unternehmen die Behauptungen und Aussagen, die Gründer in Whitepapers, Blogposts oder in sozialen Medien machen, auf ihre Stichhaltigkeit prüfen: Ist es sinnvoll, was die Gründer planen? Ist es technisch überhaupt umsetzbar? Wie genau das bewertet werden soll, hält TruStory noch geheim. Allerdings sollen Menschen hinter dem Fact-Checking stehen und dafür auch belohnt werden. Natürlich mit einer Kryptowährung aber auch „Reputation und Einfluss“, wie die TruStory-Gründerin Preethi Kasireddy sagt.

Betrüger, die Betrug eliminieren wollten

Doch selbst bei derartigen Projekten ist Vorsicht angesagt. Denn erst kürzlich entpuppte sich das Start-up Block Broker, das den „ersten dezentralisierten ICO-Broker-Service“ versprach, der „ICO-Betrügereien komplett eliminiert“, selbst als dreister ICO-Betrug. Insgesamt sollen die Block-Broker-Macher drei Millionen US-Dollar von Investoren erschlichen haben – bevor ihre Website in den Wartungsmodus ging und dann, wie auch der Twitter- und Telegram-Account, gelöscht wurde.