Jetzt klagen erste Anleger gegen Tesla

Michael Förtsch 12.08.2018 Lesezeit 3 Min

Die Ankündigung von Elon Musk, Tesla wieder zum Privatunternehmen zu machen, sorgt nicht nur für Verwirrung, sondern auch Ärger. Erste Spekulanten und Anleger haben nun Klagen eingereicht. Denn Musk soll mit Falschinformationen gezielt sogenannte Short Seller geschädigt haben.

Offenbar hat Elon Musk zu schnell geschossen. Mit einem Tweet und dann einer Pressemitteilung hatte er seinen Plan öffentlich gemacht, sich mit Tesla von der Börse zurückzuziehen. Scheinbar will er freier Entscheidungen treffen und sich nicht länger gegenüber Anlegern rechtfertigen müssen. Das nötige Kapital, hatte er auf Twitter behauptet, habe er bereits gesichert. Auch wenn das, wie Bloomberg berichtet, sehr zweifelhaft sei.

Der E-Auto- und Batteriehersteller würde sich stattdessen immer noch mit zahlreichen potentiellen Investoren treffen, die gemeinsam die Milliarden aufbringen sollen. Der Wert von Tesla läge beim von Elon Musk angekündigten Aktienpreis von 420 US-Dollar und zu tragenden Schulden bei rund 80 Milliarden US-Dollar. Jedoch könne das Unternehmen, so Experten gegenüber der New York Times, auch die Zahl der Aktionäre einfach so weit reduzieren, dass eine Börsenlistung und Quartalsberichte nicht mehr nötig sind. Das ließe sich mit 10 bis 20 Milliarden US-Dollar finanzieren.

Die Gespräche mit potentiellen Geldgebern seien, so Bloomberg, noch in einer frühen Phase – wobei allerdings auch schon Themen wie die Struktur des neuen Tesla debattiert würden. Eben das nehmen nun erste Anleger und Spekulanten zum Anlass, um gegen Tesla rechtliche Schritte einzuleiten.

Wollte Elon Musk gezielt Spekulanten schädigen?

Am vergangenen Freitag waren bei einem Gericht in San Francisco zwei Klagen gegen Tesla und Tesla-Chef Elon Musk eingegangen. Eingereicht haben sie die Börsenspekulanten Kalman Isaacs und William Chamberlain, die Musk weitgehend übereinstimmend vorwerfen, durch seine Tweets den Kurs der Aktie künstlich in die Höhe getrieben zu haben. Er habe mit der Behauptung einer „gesicherten Finanzierung“ falsche Informationen verbreitet, um bewusst Anleger zu schädigen, die auf einen Fall der Aktie gesetzt haben – also sogenannte Short Seller. Damit hätte er gegen Regeln der US-Handelsbehörde verstoßen.

Tatsächlich konnten sich treue Tesla-Anleger über die kurzzeitige Kursexplosion freuen. Einzelne Short Seller dürften hingegen Zehntausende bis Hundetausende US-Dollar verloren haben. Eben jenen Spekulanten hatte Elon Musk immer wieder vorgeworfen, dem Unternehmen schaden zu wollen. Erst im August hatte er getwittert, „Selbst Hitler hat mit Tesla-Leerverkäufen spekuliert.“

Auch die Börsenaufsicht SEC soll bereits begonnen haben, die Aussagen der Tweets von Elon Musk zu untersuchen. Denn Börsenunternehmen wie Tesla unterliegen bestimmten Auflagen, was die Kommunikation von Mitteilungen angeht, die den Kurs beeinflussen können oder die gehaltenen Anteile von Anlegern betreffen. Sollte Elon Musk seine Anleger nicht vorab, wie es die sogenannte Reed-Hastings-Rule fordert, über seine Ankündigung unterrichtet haben, könnte er deren Rechte beschnitten haben und dafür belangt werden.