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Ist die Story von Star Trek: Discovery aus einem Indie-Videospiel geklaut?

Michael Förtsch 31.08.2018 Lesezeit 3 Min

Mit Star Trek: Discovery hat CBS der legendären Science-Fiction-Reihe neues Leben eingehaucht. Nun behauptet ein Indie-Videospielentwickler, dass die Geschichte der Serie nur geklaut ist – und kann das durchaus belegen.

Wirklich einig sind sich die Star-Trek-Fans nicht. Einige feiern Star Trek: Discovery als eine gelungene Modernisierung von Gene Roddenberrys Science-Fiction-Universum. Andere kritisieren die 2017 von CBS produzierte und hierzulande auf Netflix zu sehende Serie als zu düster und losgelöst von der Original-Serie, Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert und Deep Space Nine. Ziemlicher Konsens herrscht jedoch darüber, dass die Handlung clever und die Figuren charismatisch und intelligent geschrieben sind. Beides, behauptet nun jedoch ein Indie-Videospielentwickler, sollen die CBS-Autoren von ihm geklaut haben – weswegen er den Medienkonzern nun verklagt.

Bestechende Übereinstimmungen

Bereits vor Monaten sollen Fans und Entwicklerkollegen Anas Abdin darauf aufmerksam gemacht haben, dass Star Trek: Discovery einige irritierende Ähnlichkeiten zu einem seiner Projekte habe. Der Spielemacher hatte im Jahr 2014 das Indie-Adventure Tardigrades angekündigt, das er mit der Engine Adventure Game Studio realisiert. „Das Videospiel dreht sich um eine Zivilisation, die vor 20.000 Jahren auf der Erde lebte“, beschreibt er. „Sie befinden sich an der Grenze dazu, intergalaktische Reise zu ermöglichen, indem sie gigantische Bärtierchen nutzen, um das Universum zu erkunden.“ Als der Botaniker Carter, der auf der Marsi-3-Station nahe Jupiter arbeitet, muss der Spieler, herauszufinden, was es mit den bizarren Kreaturen auf sich hat – und was einem die Regierung so alles verheimlicht.

Diese Geschichte klingt tatsächlich verdächtig nach der Kernhandlung der ersten Staffel von Star Trek: Discovery. Aber auch bei den Charakteren gibt es Überschneidungen, wie Abdin anführt. Michael Burnham erinnere stark an Yolanda aus seinem Spiel. Ebenso wie das Pärchen Paul Stamets und Hugh Colber, die seinen Figuren Maciek und Aziz entlehnt seien – und das sogar optisch, wie Abdin mit Bildern belegt. „Zu ihrer Verteidigung: Ich glaube, es ist wichtig, einen diversen Cast zu haben“, sagt er. Aber es sei zu viel der Gleichheit, um nur Zufall zu sein. Selbst einige Szenen aus seinem Spiel wären in der Serie nachgestellt.

Noch ist das Adventure Tardigrades nicht erschienen. Allerdings: Wie viele Genre-Entwickler und Nutzer des Adventure Game Studio hat Abdin seine Fortschritte, Ideen, Stolpersteine und Auszüge aus dem Projekt im offiziellen Forum dokumentiert, um Kritik und Anregungen einzusammeln. Eben dort sollen und könnten sich die Autoren der CBS-Produktion bedient haben. Über mehrere Monate habe er versucht, in einen Dialog mit CBS zu treten. „Aber sie haben mich respektlos behandelt“, sagt Abdin. „Die erste Unterhaltung war auch die letzte, die wir hatten.“

Immer wieder wäre der Indie-Entwickler vertröstet und weitergeleitet worden; seine Ansprechpartner hätten entweder Urlaub gehabt oder seien zu beschäftigt gewesen, um sich seinem Anliegen zu widmen. Statt weiter auf eine mögliche Einigung zu setzen und herauszufinden, wie und was passierte, habe er daher nun keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als rechtliche Schritte einzuleiten, um endlich „ernst genommen zu werden.“ „Ich habe alles mögliche versucht, um das zu vermeiden“, schreibt er auf Twitter. „Ich gehe offiziell gegen CBS' Star Trek: Discovery vor Gericht.“

Weder CBS noch die Serienschöpfer Bryan Fuller und Alex Kurtzman haben sich zu den Vorwürfen geäußert. Unter ihnen ist bereits die zweite Staffel von Star Trek: Discovery in Arbeit, die voraussichtlich Anfang 2019 starten soll. Diese soll mehr Bezüge zur Originalserie und der bisherigen Star-Trek-Historie herstellen. Unter anderem soll Ethan Peck als Mr. Spock auftreten und Anson Mount als Christopher Pike, der die USS Enterprise befehligte bevor James T. Kirk deren Kommando übernahm.