Investoren zu Elon Musk: Weniger herumspielen, mehr arbeiten

Michael Förtsch 13.07.2018 Lesezeit 4 Min

Elon Musk ist immer auf dem Sprung und werkelt an etlichen Projekten gleichzeitig. Das bringt ihm nun Ärger mit seinen Investoren ein: Die fordern, er solle sich endlich mal auf seinen eigentlichen Job konzentrieren – nämlich Tesla.

Wer behauptet, dass Elon Musk umtriebig sei, der untertreibt maßlos. Im Juli 2002 hatten er und Peter Thiel PayPal für 1,5 Milliarden US-Dollar an eBay verkauft. Nur einen Monat später hatte Musk SpaceX und die The Musk Foundation gegründet, die erneuerbare Energien, Raumfahrt-, Wissenschafts- und Bildungsprojekte wie das The Musk Observatory der Mars Desert Research Station finanziert.

Im Februar 2004 investierte er mehrere Millionen in das damals noch kleine Start-up Tesla, das er wenig später leitete. 2016 übernahm er mit Tesla das Solar-Energie-Start-up SolarCity. Oh, und dann ist da seit Dezember 2016 auch noch The Boring Company. Die soll in weniger als drei Jahren in Chicago eine Tunnelverbindung zum Flughafen buddeln, in der kleine Kapseln herum düsen. In Los Angeles und Baltimore lässt er zudem auf Probe bohren. Und dann wäre natürlich noch die Hyperloop Pod Competition für Studenten-Teams, die er jährlich abhält.

Immer unterwegs

Der US-Milliardär springt zwischen diesen Unternehmungen hin und her, klappert dafür pro Monat gerne mehrere Städte und Länder ab – und kümmert sich nebenbei auch noch persönlich um die Anliegen seiner Fans und Kunden auf Twitter. Bei ernsten Investorengesprächen bezeichnet er Fragen als „langweilig“ und „uncool.“ All das macht einige seiner Investoren und Kollegen von Tesla, seinem größten Unternehmen, mittlerweile nervös.

„Wir unterstützen ihn sehr. Allerdings würden wir uns im jetztigen Stadium etwas Ruhe und Arbeit wünschen,“ sagte James Anderson, der immerhin viertgrößte Anteilseigner des E-Autobauers Tesla, auf der Sun-Valley-Konferenz der Investmentbank Allen & Company. „Es wäre gut, wenn er sich einfach mal auf seine Kernaufgabe konzentrieren würde.“ Nämlich: Tesla leiten!

Tatsächlich hat Tesla kürzlich erstmals die seit Monaten versprochenen 5.000 Model 3 pro Woche gestemmt. „Meine Glaubwürdigkeit, die Glaubwürdigkeit des ganzen Teams“, so Musk, hätten auf dem Spiel gestanden. Den Kraftakt hatte Musk selbst im Werk in Fremont durchgezwungen. Mehrere Wochen verbrachte er dafür im Werk.

Vorort soll Musk die Verantwortlichen für die Fertigung angeschnauzt und Test-Prozesse ausgesetzt haben. Er gab Millionen für eine weitere Produktionsstraße aus, die in einem Zelt aufgestellt wurde. Er ordnete Überstunden an und ließ kostenlose Energy-Drinks an die 10.000 Arbeiter verteilten. Nur so ließ sich das Produktionsziel erreichen. Denn die Fertigung eines Model 3 kostet Tesla derzeit noch drei Mal soviel Zeit wie Toyota oder ein anderer etablierter Fahrzeugbauer für ein ähnliches Fahrzeug benötigen würden.

Elon Musk hat schon das nächste Projekt

Mittlerweile lässt sich Elon Musk aber wieder ablenken. Nachdem die 5.000er-Marke geknackt war, wollte Musk die Rettung von Jugendlichen aus einer Höhle unterstützen – wobei die Retter seine Versuche zwar würdigten aber nicht brauchten. Nun will er den Bewohnern der Stadt Flint helfen, die seit Jahren kein sauberes Leitungswasser haben. Die Aktivistin Mari Copeny soll bereits „seit über einer Woche“ mit Musk und seinem Team arbeiten.

Der Milliardär selbst hat zudem schon ein Telefongespräch mit dem Bürgermeister von Flint angekündigt, um herauszufinden, was die Bewohner genau benötigen. Letztere können ihm bei Twitter die Werte zuschicken, die zeigen, wie belastet ihr Leistungswasser ist. Unter seiner alten Domain X.com – jetzt hat er endlich einen Nutzen dafür gefunden – soll die Email-Adresse flint@x.com eingerichtet werden, um die Hilfsaktion zu koordinieren.

Das alles ist ehrenwert – sicher. Aber seine Investoren werden diese Ablenkung bestimmt nicht so gerne sehen – selbst wenn das positive Werbung für Tesla und Elon Musk bedeuten dürfte. Vor allem wenn die Arbeiter bei Tesla selbst genug Unterstützung in Sachen Arbeitssicherheit gebrauchen könnten. Die sollen schwer überarbeitet sein und deutlich mehr Unfälle haben als in vergleichbaren Werken.