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Interview: Pavel Prihodko über die Zukunft des Lightning Network

Klemens Kilic 11.07.2018 Lesezeit 3 Min

Das Lightning Network soll Bitcoins Skalierungsprobleme lösen. Seit März dieses Jahres ist es nun auf dem echten Bitcoin-Netzwerk nutzbar. WIRED hat mit Pavel Prihodko, Kopf des Lightning-Teams von BitFury, über den aktuellen Stand von Lightning gesprochen.

Ohne Zweifel ist Bitcoin die größte und beliebteste Kryptowährung. Aber sie hat ein Problem. Sie skaliert schlecht. Heißt: Nur alle zehn Minuten wird ein neuer Block für die Blockchain generiert, der Transaktionen zusammenfasst. Damit sind nur sieben Überweisungen pro Sekunde möglich – zu wenig für ein echtes Zahlungssystem. Das Lightning-Netwerk soll das Problem lösen.

Lightning ermöglicht es, einen Zahlungskanal parallel zu Bitcoin zu öffnen. Zwei Parteien können Bitcoin hineintragen, damit so oft handeln, wie sie wollen – und nur die Endbilanz wird in die Blockchain eingetragen statt potentiell hunderter Einzeltransaktionen.

WIRED sprach nun mit Pavel Prihodko von BitFury, das mit einem zwanzig Köpfe starken Team parallel zu den Lightning Labs und weiteren Teams versucht, das Lightning Network weiterzuentwickeln und seine Möglichkeiten auszubauen.

WIRED: Was ist BitFurys Funktion bei der Entwicklung des Lightning Networks?
Pavel Prihodko:
Seit 2016 tragen wir aktiv zu der Entwicklung eines funktionsfähigen Lightning-Protokolles bei. Unser Team hat seinen Hauptfokus auf der Weiterentwicklung des Routing gelegt. Also der Steuerung von Transaktionen innerhalb des Lightning Networks.

WIRED: Welches Problem besteht derzeit beim Routing?
Prihodko:
Zur Zeit bereitet das Routing keine wirklichen Probleme. Das liegt aber vor allem daran, dass bisher nur wenige Transaktionen über Lightning abgewickelt werden. Mal angenommen, 100.000 Transaktionen müssten gleichzeitig prozessiert werden. So viele Informationen könnte die aktuelle Version nicht steuern. Wir haben bereits 2016 das Whitepaper Flare veröffentlicht, das sich genau mit der Thematik befasst. Wir arbeiten gerade an einem Update, das dann noch die Erkenntnisse der letzten zwei Jahre Rechnung tragen soll. Allgemein bin ich sehr optimistisch.

WIRED: An was arbeitet ihr sonst noch?
Prihodko:
Wir arbeiten gerade ganz aktiv an einer mobilen Lightning-Wallet.

WIRED: Worin soll sich BitFurys Lighting-Wallet von LND, also der Wallet von Lightning Labs unterscheiden?
Prihodko:
Ziel soll vor allem eine besonders nutzerfreundliche Oberfläche sein. Wir wollen z.B. auch einen Planer implementieren, der regelmäßige wiederkehrende Zahlungen ermöglicht. Außerdem wollen wir unsere eigenen Nodes aufsetzen. Zur Zeit kann es sein, dass man sich mit einer Node in Verbindung setzt, die keine Route findet, wodurch Transaktionen zuweilen einfach nicht zustande kommen. Wir wollen dafür sorgen, dass man sich mit unseren Nodes in Verbindung setzen kann, die dann das Routing problemlos übernehmen - natürlich blitzschnell. Unsere Vorzüge sind, dass man mit unserer Wallet zum Beispiel Kontakte speichern können soll. Wodurch wir dem Nutzer ein Maximalmaß an Komfortabilität ermöglichen wollen.

WIRED: Ist eure Implementierung des Lightning-Wallet kompatibel LND?
Prihodko:
Natürlich. Die Unterschiede beschränken sich aufs Frontend.

WIRED: Wie gut arbeitet ihr mit Lightning Labs und Bitcoin-Entwicklern zusammen?
Prihodko:
Wir stehen in keinerlei Konkurrenzsituation zu Lightning Labs, sondern kooperieren sehr harmonisch. Lightning ist eine Open-Source-Technologie an der jeder arbeiten kann. Niemand hat dessen Recht gepachtet. Unser beider Ziel ist es, Lightning zum Erfolg zu führen. BitFury ist eines der größten Unternehmen im Blockchain-Ökosystem, wodurch uns viele Ressourcen zur Verfügung stehen. Wir verstehen daher mehr als eine helfende Hand für Lightning Labs. Auch mit Bitcoin-Entwicklern arbeiten wir sehr eng zusammen. Es ist im übrigen zu großen Stücken BitFury zuzuschreiben, dass SegWit implementiert wurde. Ohne dieses Update wäre Lightning in dieser Form nicht möglich gewesen.