/Business

Googles Telefon-Roboter Duplex ist jetzt weniger unheimlich

Lauren Goode (Wired US) 27.06.2018 Lesezeit 3 Min

Nach der etwas unheimlichen Premiere auf der I/O-Entwicklerkonferenz hat Google seine Sprach-KI überarbeitet. Unsere amerikanische WIRED-Kollegin Lauren Goode durfte sich jetzt mit einer überarbeiteten Duplex-Version unterhalten – und brachte die KI ziemlich schnell aus dem Konzept.

Im Mai demonstrierte Google seinen KI-Telefonassistenten Duplex zum ersten Mal. Die vorab aufgenommene Demo kam vielen Beobachtern unheimlich vor. Bei der Google I/O-Entwicklerkonferenz hörte man eine künstliche Stimme, die sowohl einen Friseursalon als auch ein Restaurant anrief, um Reservierungen im Namen eines Menschen zu buchen.

Sofort machten viele in der Tech-Community auf zwei Probleme aufmerksam: Zum einen merkten die (menschlichen) Empfänger des Anrufs nicht, dass die Stimme im Telefon von einer Maschine stammte. In gewisser Weise täuschte Duplex ahnungslose Menschen. Zum anderen hatte der Bot in der Demo nicht darauf hingewiesen, dass er den Anruf mitschneidet. Ein Alptraum für Datenschutzbeauftragte.

Google reagiert auf Kritik an Duplex

Jetzt, ein paar Wochen vor der testweisen Einführung von Duplex für eine kleine Gruppe von Nutzern und Unternehmen, präsentierte Google eine überarbeitete Version seines Telefon-Roboters. Der Konzern will beweisen, dass er auf die Bedenken reagiert hat. Gestern lud das Unternehmen dafür in ein libanesisches Restaurant in Mountain View, Kalifornien. In direkter Nachbarschaft zur Google-Zentrale demonstrierte es seine Technologie.

Einige Veränderungen waren offensichtlich: „Hallo, ich rufe an, um eine Reservierung zu machen“, sagte der Bot, dem die Reporter über Lautsprecher im Restaurant zuhören konnten. „Ich bin Googles automatischer Buchungsservice, also schneide ich den Anruf mit. Kann ich einen Tisch für Donnerstag reservieren?“

Die Google-Manager Nick Fox und Scott Huffman sowie die Produktmanagerin Valerie Nygaard beantworteten die Fragen der Reporter. Abwechselnd durften diese in die Rolle des Restaurant-Betreibers schlüpfen, bei dem der Google-Assistent anruft. Auch ich kam an die Reihe.

Manche Nachfragen verwirren die KI

Ich gebe zu, dass ich mich, als ich ans Telefon ging, sehr bemüht habe, den Duplex-Bot zum Stolpern zu bringen. Eine weiblich klingende Stimme rief an und bat um eine Reservierung. Nachdem ich herausgefunden hatte, dass „sie“ den 2. Juli meinte, fragte ich nach der Anzahl der Personen und der Uhrzeit. „Um 21 Uhr“, antwortete sie. Ich erzählte dem Bot, dass der Laden um 21:30 Uhr schließt – und fragte, ob sie vielleicht für eine frühere Zeit reservieren möchte. 19:30 Uhr, schlug der Bot vor. „Wir haben einen Tisch für 19:45 Uhr“, sagte ich – und wollte gleich noch wissen, ob jemand in der Gruppe Allergien hätte.

„OK, also 19:30 Uhr“, sagte der Bot. „Nein, ich kann dich um 19:45 Uhr unterbringen“, antwortete ich. Der Bot war verwirrt. „19:30h“, hieß es wieder. Jetzt fragte ich noch, ob sie einen Hochstuhl für Kinder brauchen würde. Da mischte sich eine andere Stimme ein, um die Reservierung abzuschließen.

Ich legte das Telefon auf und fühlte mich wie nach einem Triumph. Es hatte sich ausgezahlt, während des Studiums in einem Brauhaus zu kellnern. Ich hatte eine Reihe von Fragen gestellt, die ein Bot, selbst ein guter, nicht beantworten konnte. Die KI hatte verloren. Die Stimme, die den Anruf beendete, stammte von einem Menschen.

Noch kein Termin für für den Telefon-Assistenten

Google hat noch nicht bekannt gegeben, wann es Duplex für eine breite Nutzerschaft ausrollen wird. Die öffentlichen Tests sollen allerdings in den nächsten Wochen anfangen - mit einer „begrenzten Anzahl von vertrauenswürdigen Testern und ausgewählten Unternehmen“. Wie viele Tester oder Firmen es genau sein werden, verrät Google nicht.

Duplex wird als Teil von Google Assistant funktionieren, dem virtuellen Assistenten des Unternehmens für Smartphones und Smartspeaker. Zunächst wird „sie“ für Unternehmen Anfragen rund um die Urlaubszeit entgegennehmen. In den nächsten Monaten soll sie dann auch Restarurant-Reservierungen und Friseurtermine organisieren.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED.com
Das Original lest ihr hier.