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Erste Produktion von Feststoffbatterien in China angelaufen

Ben Hartlmaier 22.11.2018 Lesezeit 3 Min

Sie sind so etwas wie der heilige Gral der Energiespeicherung: Feststoffakkus sollen bestehende Lithium-Ionen-Batterien ablösen und besonders Elektroautos einen Reichweitenschub verpassen. Bislang existierten sie nur im Labor. Ein chinesisches Start-up hat jetzt die erste Produktion gestartet.

Sollte die Meldung des China Internet Information Center stimmen, könnte die Technik-Welt vor einem massiven Durchbruch stehen. Laut dem Bericht des staatlichen chinesischen Portals hat das chinesische Start-up Qing Tao Energy Development Co. die weltweit erste Produktion von Feststoffbatterien gestartet. Sie gelten als weitaus sicherer als herkömmliche Lithium-Ionen-Zellen und haben potenziell eine höhere Energiedichte. Sollte die Massenproduktion gelingen, könnte das eine ganze Reihe von Problemen lösen: von der kurzen Akkulaufzeit von Smartphones bis hin zu geringen Reichweiten von Elektroautos.

Derzeit ist die Produktionslinie in der ostchinesischen Stadt Kunshan dem Bericht zufolge in der Lage, pro Jahr Festkörperzellen mit einer Gesamtkapazität von 100 Megawattstunden und einer Energiedichte von über 400 Wattstunden pro Kilogramm zu produzieren. Moderne Lithium-Ionen-Batterien haben im Vergleich dazu nur eine Energiedichte von bis zu 300 Wattstunden pro Kilogramm, schreibt Electrek. Mit der aktuellen Produktionskapazität der Fertigungsstraße in China ließen sich rund 1300 Tesla Model S mit einem kleinen 75-Kilowattstunden-Akku ausstatten. Das ist noch nicht allzu viel. Allerdings soll die Produktion im Jahr 2020 auf 700 Megawattstunden pro Jahr gesteigert werden.

Gegründet wurde das Start-up 2014 von Nan Cewen, Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, gemeinsam mit Doktoranden der Tsinghua Universität. Laut Nan sei das Unternehmen mit einer Reihe großer Autobauer in Kontakt getreten, für die es bis 2020 Batterien für Elektrofahrzeuge herstellen will. Bisher seien rund eine Milliarde Yuan (rund 130 Millionen Euro) in die Entwicklung der Feststoffbatterien geflossen.

Auch Volkswagen und Toyota arbeiten an Feststoffakkus

Derzeit arbeiten einige große Automobilhersteller wie Volkswagen und Toyota an der Erforschung von Feststoffakkus. So hatte der VW-Konzern im Juni verkündet, 100 Millionen US-Dollar in das kalifornische Unternehmen QuantumScape zu investieren. „Feststoffzellen sind ein zentrale Lösung für die Zukunft der Elektromobilität“, sagte ein Unternehmenssprecher jetzt auf Anfrage von WIRED. Derzeit befinde sich das Thema jedoch noch im Forschungsstadium. Gemeinsam mit QuantumScape, einer Ausgründung der Stanford Universität, will Volkswagen bis 2025 eine Produktionsanlage für Feststoffbatterien aufbauen. Ob das chinesischen Start-up Qing Tao Energy mit Volkswagen in Kontakt getreten ist, sei ihm derzeit nicht bekannt, so der Sprecher.