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Elon Musk ist es egal, ob du einen Tesla-Pick-up kaufst

Michael Förtsch 05.11.2018 Lesezeit 4 Min

Der Tesla-Chef Elon Musk hat in einem Interview ausgepackt. Er entschuldigte sich bei einigen Journalisten für seine Angriffe und bedauert seine Twitter-Eskapaden. Dafür soll es bei Tesla nun endlich gut laufen. Auch wenn der E-Autobauer derzeit genug zu tun hat, würde Musk zukünftig gerne auch ein Elektrofahrrad bauen und glaubt, dass es egal ist, ob sein Pick-up-Truck viele Käufer findet.

Da hat Elon Musk sein Wort gehalten. Nach etlichen E-Mails und langem Warten hat der US-Milliardär der Journalistin Kara Swisher von der Tech-Seite Recode ein rund 80 Minuten langes Interview gegeben. Dabei hat sich Elon Musk erstaunlich offen geäußert und eingestanden, im letzten wie auch diesem Jahr so einiges falsch gemacht zu haben. Er entschuldigte sich bei „einigen Journalisten“, die er angegriffen hatte und bedauerte, sich auf Twitter in absurde Streitigkeiten verstrickt zu haben. Allerdings: Das Twittern, sagte er, würde er zukünftig nicht lassen. Denn: „Das ist für mich eine Möglichkeit, um mit den Dingen, die passieren, in Kontakt zu bleiben“, gab er an. „Ich glaube, manchmal nutze ich Twitter, um mich selbst auszudrücken […] Manche Leute drücken sich mit ihren Haaren aus. Ich nutze Twitter.“

Ebenso äußerste sich Musk allem voran über seine Unternehmen – und dabei zuvorderst Tesla. Dabei sagte er, dass er ziemlich überzeugt sei, dass der E-Autobauer zukünftig wohl keine neuen Investitionen nötig habe und nach dem Gewinn im letzten Quartal nun gesund wirtschafte und das auch in Zukunft tun wird. Nicht zuletzt da Tesla der Konkurrenz in Sachen Elektromobilität weit voraus sei. Aber auch beim autonomen Fahren, glaubt Musk, hänge Tesla die Konkurrenz ab. „Ich denke nicht, dass jemand an Tesla herankommt“, sagte Musk. „Ich glaube, wir werden im nächsten Jahr vollständige Selbstfahrfähigkeit erreichen.“ Alleinig Waymo, spekulierte der US-Milliardär, sei Tesla da wohl auf den Fersen.

Ein Truck wie aus Blade Runner?

Mittlerweile gehe auch die Produktion des Model 3 sehr gut voran. Die 5.000 Fahrzeuge pro Woche seien nun für Tesla „kein großes Ding“ mehr. „Es ist jetzt normal“, sagte Musk. „Wir könnten 6.000 oder mehr, vielleicht 6.500 Model 3 pro Woche, schaffen aber das würde die Leute nur stressen und Überstunden bedeuten.“ Daher würde sich Tesla auch vorerst nicht auf weitere Neuprojekte, sondern bereits angekündigte Produkte stürzen: Das Model Y, den neuen Roadster, den Semi und den Pick-up. „Ich denke, das ist das aufregendste Produkt-Lineup überhaupt“, sagte Musk. Er selbst sei vom Pick-up-Truck am meisten begeistert.

Wie Elon Musk verspricht, sei der Pick-up vollkommen futuristisch und könne direkt aus einem Cyberpunk-Werk wie Blade Runner stammen. Letztlich sei es ihm daher sogar egal, ob er kommerziell ein großer Erfolg wird oder ein Prestigeprojekt bleibt – auch wenn er perfekt für Baustellen und Handwerker geeignet wäre. „Ich weiß nicht, ob viele Leute diesen Pick-up-Truck kaufen oder nicht, aber es schert mich auch nicht“, sagte Musk. „Ich meine: Es kümmert mich schon. Natürlich, schert es mich. Wir wollen Benzin- und Diesel-Pick-ups von der Straße holen.“ Allerdings gehe es zunächst darum, dass der gigantische Truck existiert. Wenn der zu wenige Käufer findet, könne später eine „konventionellere“ Pick-up-Variante kommen.

Motorräder und Tretroller? Niemals.

Was Motorräder angeht, da gibt es bei Tesla auch weiterhin keine Pläne. Denn die seien einfach zu gefährlich. Musk selbst wäre einst beinahe bei einem Motorradunfall umgekommen. Auch Elektro-Tretroller wie sie Lime, Bird und Coup anbieten will Tesla keinesfalls verfolgen. „Es gab einige Leute in unseren Studio, die einen Scooter bauen wollten“, sagte Musk. „Aber ich war so: Eh, nein.“ Denn die Roller, ist Elon Musk überzeugt, seien würdelos und jeder, der sich auf einem Tretroller cool vorkäme, würde einer Illusion unterliegen. Ein Elektro-Fahrrad sei für Tesla hingegen schon interessant und sogar sehr wahrscheinlich – allerdings erst viel später.

Was Flug-Taxen betrifft, wie sie Larry Page mit seinem Unternehmen Kitty Hawk in Planung hat, würde Tesla keine Ambitionen hegen. Bereits in der Vergangenheit hatte Elon Musk kritisiert, dass diese Multicopter zu viel Wind und Krach verursachen würden – und daher wohl kein Vehikel wären, das eine große Verbreitung finden würde. Wenn Tesla in die Luftfahrt einsteigt, würde es mit einem größeren Schritt passieren. „Ein Überschalljet mit vertikalem Abheben und Landen wäre interessant – zu irgendeinem Zeitpunkt, denke ich“, sagt Musk. „Aber wenn wir das jetzt versuchen würden, würde mir definitiv der Kopf explodieren.“