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Eine KI kann die Augen von Toten und Lebendigen unterscheiden

WIRED Staff 07.08.2018 Lesezeit 2 Min

Wir kennen es aus Filmen und Büchern: Ein Augenscanner, der eigentlich eine verschlossene Tür sichern soll, lässt sich überlisten – mit den Augen einer Leiche. Diese Horrorvorstellung hat offenbar auch polnische Forscher beschäftigt. Sie haben jetzt eine Künstliche Intelligenz entwickelt, die Tote und Lebendige unterscheiden kann. Zumindest meistens.

Auch bei Dan Brown kommt das Auge eines Toten zum Einsatz. Im Thriller „Illuminati“ wird gleich zu Beginn ein Physiker des Europäischen Kernforschungszentrums CERN tot aufgefunden. Der Leiche fehlt ein Auge. Damit hat ein Dieb einen Iris- beziehungsweise Retinascanner ausgetrickst, um wertvolle Antimaterie zu erbeuten. Ziemlich spannend.

In der Realität könnte Dan Browns Version des Augentricks zwar schon jetzt nicht stattfinden, weil ausgerechnet das CERN sein Allerheiligstes mit einem Scanner schützt, der eben nicht einfach nur scannt, sondern auch Lichtsignale aussendet, auf die nur eine lebendige Pupille richtig reagieren kann. Aber sei’s drum. Nicht alle Augenscanner sind so ausgefeilt, obwohl sie immer häufiger eingesetzt werden. Der Chaos Computer Club konnte die Iriserkennung des Samsung Galaxy S8 im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben mit einem ausgedruckten Foto und einer Kontaktlinse täuschen. Insofern schadet weitere Forschung sicherlich nicht.

Polnische KI erkennt die Augen von Toten

Damit wären wir bei der KI, die nun Wissenschaftler der Technischen Universität Warschau entwickelt haben, wie Technology Review berichtet. Das Team des KI-Forschers Mateusz Trokielewicz hat demnach einen Machine-Learning-Algorithmus mithilfe einer Datenbank von Iris-Fotos lernen und anschließend trainieren lassen. Zum Einsatz kamen dabei 574 Nahinfrarotaufnahmen der Iris von 17 Toten, die in verschiedenen zeitlichen Abständen zum Tod aufgenommen wurden. Damit die KI auch lebende Augen erkennt, griffen die Forscher zusätzlich auf 256 Bilder von den Augen lebendiger Personen zurück.

Das Ergebnis: In 99 Prozent der Fälle konnte der Algorithmus die Augen richtig als lebendig oder tot einstufen. In einem Prozent der Fälle hielt er die Iris von Lebenden für die von Leichen. Bei den Leichenaugen lag er nie daneben – jedenfalls wenn eine nicht ganz unwichtige Voraussetzung erfüllt war: Die KI schafft die hohe Treffsicherheit nur bei Augen, die mehr als 16 Stunden tot sind. Davor sind die Unterschiede zwischen der Iris von Lebendigen und Leichen nicht deutlich genug.

Das heißt: Selbst, wenn die polnische Technik zum Einsatz kommen sollte, könnten Einbrecher einen Irisscanner überlisten, wenn das notwendige Auge noch „frisch“ ist. Es sei denn natürlich, sie bekommen es sowieso mit einem so ausgefeilten Scanner wie am CERN zu tun.