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Ein US-Bundesstaat will Wahlen per Blockchain testen

WIRED Staff 08.08.2018 Lesezeit 2 Min

Bei den Kongresswahlen im November 2018 will West Virginia in Übersee stationierten Soldaten die Stimmabgabe per Smartphone-App ermöglichen. Um Manipulationsresistenz und Nachvollziehbarkeit zu ermöglichen, sollen die Stimmen in der Blockchain gespeichert werden. Das halten Experten für keine gute Idee.

Während der angesetzten Wahlen können sich Mitglieder der US-Streitkräfte, die ihren Heimatwohnsitz in West Virginia haben, die App Voatz auf ihr Smartphone laden. Die wird vom gleichnamigen Start-up aus Boston entwickelt, das seit 2014 an einer Möglichkeit arbeitet, ein sicheres Wahlverfahren über das Internet zu ermöglichen. Die Lösung des Start-ups: Biometrische Abgleiche und die Blockchain-Technologie von Hyperledger, die von IBM und der Linux Foundation geschaffen wurde.

Die Soldaten müssen mit der App ein Foto ihres Ausweises aufnehmen und ein kurzes Video ihres Gesichtes machen. Beides würde dann miteinander abgeglichen – das soll eine Künstliche Intelligenz erledigen, die auf Gesichts- und Musterkennung trainiert ist. Anschließend müsse der Wähler nur noch seine Stimme abgeben, überprüfen und letztlich bestätigen. Die Stimme wird anschließend anonymisiert in der Voatz-Blockchain gespeichert.

Die erste große Wahl

Beim Thema Sicherheit verweist Voatz auf die Überprüfung durch drei unabhängige Experten von Ingalls Infosec, HackerOne und Security Innovation; auch eine Zuordnung der Stimme zu einer bestimmten Person sei nahezu unmöglich, da die Stimmherkunft sowohl vom Smartphone als auch dem Blockchain-Server-Netz verschleiert werde.

Dennoch sind Wahl- und Sicherheitsexperten arg besorgt. „Mobile Wahlen sind eine gruselige Idee“, sagte Joe Hall vom Center for Democracy and Technology gegenüber CNN. Denn die Stimme könnte zwischen Smartphone und dem Eingang zum Server abgefangen und manipuliert werden. Auch die App selbst ließe sich theoretisch hacken und dahingehend manipulieren, dass der Wähler das eine anklickt aber das gegenteilige gezählt wird. Ebenso ist nicht sicher, ob sich nicht auch das Verifikationssystme von Voatz nicht vielleicht mit einem gefälschten Ausweis und einem gestohlenen Video des Wählers täuschen ließe.

Der Schritt hin in Richtung Smartphone-Wahl geschieht in den USA in einer Zeit, in der Trends eigentlich zurück zum klassischen Wahlzettel auf Papier gehen. Die seit den 2000ern eingesetzten elektronischen Wahlmaschinen gelten durchgehend als hackbar und unsicher. Insgesamt waren in den USA über 50 verschiedene Wahlcomputer genutzt und erprobt worden. Als das größte Problem zeigte sich dabei, dass die Wahlen nicht gleichzeitig auf Papier dokumentiert werden, wie auch bei Voatz, und eine nachträgliche Manipulation schwer bis gar nicht zu entdecken oder nachzuweisen ist.