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Ein Krypto-Millionär plant eine Blockchain-Stadt in der Wüste

Michael Förtsch 07.11.2018 Lesezeit 4 Min

Unweit der Gigafactory 1 von Tesla hat ein Kryptowährungsmillionär einen großen Landstrich gekauft. Dort will er eine Stadt gründen, die von der Blockchain angetrieben wird. Der Bau soll bereits im nächsten Jahr beginnen.

Der Anwalt Jeffrey Berns ist durch geglückte Spekulationen mit Kryptowährungen, das Ethereum-Informationsportal ETHNews und Investments in Blockchain-Start-ups zum Millionär geworden. Nun plant er mit seinem erst vor wenigen Monaten gegründeten Unternehmen Blockchains LLC gleich eine eigene Stadt, die von der gehypten Distributed-Ledger-Technologie angetrieben werden soll. Dafür hat er bereits im Januar für 170 Millionen US-Dollar 258 Quadratkilometer an ödem Wüstenland im Tahoe-Reno Industrial Center gekauft – ganz in der Nähe der Gigafactory 1 von Tesla und dem zukünftigen Baugrund von Google-Rechenzentren.

Geht es nach Berns sollen sich auf dem Landstrich zahlreiche große und kleine Unternehmen ansiedeln, die an verschiedensten Blockchain- und KI-Anwendungen für die Zukunft arbeiten. Genug davon gibt es ja. Dazu soll es einen Forschungscampus für Hard- und Software geben, eine Schule und eine E-Sports-Arena. Ebenso solle aus der Wüstenlandschaft aber auch eine „neue Art von Geschäfts- und auch Wohngemeinschaft“ erwachsen. Auch dafür soll die Blockchain sorgen, die, das wünscht sich der Millionär, alle wichtigen Geschäfte, Daten und Besitzansprüche der Bewohner öffentlich, sicher und unveränderbar protokolliert. Ebenso würde die neue Stadt durch Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether und EOS theoretisch ohne Bargeld, Kreditkarten und traditionelle Banken auskommen. Selbst wichtige Abstimmungen und Wahlen könnten rein digital ablaufen.

Smart dank Blockchain?

Natürlich soll das derzeit als Innovation Park bezeichnete Landentwicklungsprojekt auch eine Smart City sein. Vernetzung, Digitalisierung, High-Speed-Internet aus dem Kabel und der Luft sollen von vornherein mitgedacht und ausbaufähig geplant werden. „Effizienz, Nachhaltigkeit, Transparenz und Nachprüfbarkeit werden nicht kompromittiert, sondern garantiert“, heißt es auf der Website vom Unternehmen Blockchains LLC, das das Projekt realisieren soll. Dadurch solle sich der Umgang der Menschen zum besseren wandeln und ein ehrliches, faires und demokratisches Miteinander entstehen. Ähnliches verspricht auch das Asgardia-Projekt, das mit Kryptowährungen und Blockchain eine demokratische Nation im Weltraum erschaffen will.

Mit der Planung der Blockchain-Stadt wurden mit Ehrlich Yanai Rhee Chaney Architects and Tom Wiscombe Architecture gleich zwei Architekturbüros betraut. Und die stellen sich eine utopische Gemeinde mit futuristisch-kantigen Gebäuden, kleinen Wolkenkratzern, breiten Grünflächen und viel Glas vor – bei deren Bau natürlich auch 3D-Druck zum Einsatz kommen soll. Die Straßen und Wege sollen für die Nutzung durch Elektrofahrräder, Tretroller und autonome Fahrzeuge ausgelegt sein. Der Strom würde von Solaranlagen und Windkraftwerken aus den Bergen kommen – und nicht aus Kohlefabriken wie bei den Mining-Centern in China.

Totaler Erfolg oder gigantische Katastrophe

Fraglich ist, ob Jeffrey Berns tatsächlich die finanziellen Mittel für das Stadtprojekt aufbringen kann und wenn, wer die weiteren Investoren sind. Dazu müssen die ambitionierten Pläne noch von den Behörden abgesegnet werden. Aber wenn es soweit sei, heißt es, könne mit dem Bau erster zentraler Anlagen im kommenden Jahr begonnen werden. Berns selbst sagte der The New York Times, dass seine Pläne entweder „das größte Ding überhaupt“ werden oder ein katastrophaler Fehlschlag, den keiner so schnell vergessen wird.

Alleine ist Berns mit seinen Ambitionen nicht. Bereits 2012 hatte Tony Hsieh, der Gründer des Versandgiganten Zappos, mehrere Millionen US-Dollar investiert, um mit dem Downtown Project um das Hauptquartier seiner Firma in Las Vegas eine neue Gemeinde aus Start-ups und jungen Menschen entstehen zu lassen. Draus geworden ist bisher nichts. Auch Bill Gates will in der Wüste, westlich von Phoenix, eine eigene Stadt gründen, die Smart City Belmont heißen solle. Und das Google-Start-up Sidewalk Labs plant gemeinsam mit der Stadt Toronto einen Stadtteil, der „auf dem Internet aufgebaut“ werde. Beide Pläne wurden mit viel Euphorie als auch großer Skepsis aufgenommen.