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Dieses Start-up plant eine Roboterfabrik im Weltall

WIRED Staff, Michael Förtsch 20.11.2018 Lesezeit 2 Min

Die Firma Space Tango will eine Kapsel konstruieren, die als automatisierte Fabrik im Weltall funktioniert. Sie soll an Kunden vermietet werden, die Werkstoffe herstellen möchten, die sich nur in Mikrogravitation fertigen lassen. Erfahrung damit hat das Unternehmen bereits.

Der Erdorbit ist nicht nur für Wissenschaft, Forschung und Touristen interessant. Zahlreiche Konzerne haben Orte wie die Internationale Raumstation im Blick – und zwar als potentielle Fabrik. Denn es gibt zahlreiche Materialien und Gerätschaften, die nur oder zumindest leichter in der nahezu totalen Schwerelosigkeit produzierbar sind. Doch bislang ist das kaum im großen Stile möglich. Das Start-up Space Tango aus Lexington, Kentucky will das ändern. Dafür hat das Raumfahrtunternehmen eine Mini-Fabrik konzipiert, die in zwei Jahren ins All geschossen werden soll.

Bei der ST-42 getauften Konstruktion handelt es sich im Grunde um eine Kapsel vergleichbar der Dragon von SpaceX oder dem Starliner von Boeing. Nur hat diese gerade einmal einen Durchmesser von 2,4 Metern und ist nicht zum Transport von Menschen gedacht. Stattdessen soll sie in verschiedenen Fassungen an zahlende Kunden vermietet werden, die darin Roboter und Fabrikationsgeräte unterbringen können. Diese können dann bis zu 30 Tage beispielsweise Metalllegierungen, medizinische Wirkstoffe, fiberoptische Leitungen, Kohlenstoff-Nanoröhrchen und hochpräzise Silizium-Wafer produzieren. Anschließend kehrt die Mini-Fabrik mitsamt den Produkten wieder durch die Atmosphäre auf die Erde zurück.

Mit Herstellungsverfahren bei Mikrogravitation hat Space Tango durchaus Erfahrung gesammelt: Für Kunden wie EADS, Airbus oder Budweiser hat das Unternehmen bislang 88 Experimente in seinen Mini-Laboren TangoLab-1 und TangoLab-2 auf der internationalen Raumstation ISS durchgeführt. Die Entwicklung von ST-42 sei, so Space-Tango-Chef Twyman Clements, daher „ein logischer nächster Schritt.“

Allerdings ist der Bau der ST-42 für Space Tango noch nicht finanzierbar. Stattdessen wird nun nach Investoren und Kunden gesucht, die die Entwicklung der Raumfabrik mitfinanzieren möchten oder schon vorab Einsätze anmieten wollen. Dass das funktioniert, davon ist Twyman Clements überzeugt. Daher wolle Space Tango schon bald mit der Ausarbeitung und Umsetzung der Pläne beginnen. Jedoch wird Space Tango in diesem Bereich durchaus Konkurrenz haben. Denn das Start-up Axiom Space plant derzeit eine ganze Raumstation, die sowohl Hotel, Forschungseinrichtung als auch eine Fabrik darstellen soll – die soll ebenso 2020 ihr orbitales Debüt feiern.