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Dieses russische Nuklearraumschiff soll die BFR von SpaceX „veraltet“ aussehen lassen

Michael Förtsch 15.11.2018 Lesezeit 3 Min

Russische Forscher wollen ein Raketenantrieb entwickelt haben, der mit einem Nuklearreaktor läuft. Der soll Basis für ein Raumschiff sein, das schnell und einfach wiederverwendbar sei – und die Raketen und Raumschiffe von Elon Musk technologisch hinter sich lasse.

Am staatlichen Forschungsinstitut Keldysh Zentrum bei Moskau wurde einst an Düsentriebwerken und dem Katjuscha-Raketenwerfer geforscht. Jetzt soll von dort, behaupten die Wissenschaftler des Institutes in einem Video auf Instagram, der nächste revolutionäre Schritt in der solaren Raumfahrt kommen. Denn über fast ein Jahrzehnt habe ein Team dort an einem Raumschiff gearbeitet, das binnen sieben Monaten den Mars erreichen und nach nur 48 Stunden an Wartungsarbeit wieder losfliegen kann.

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Центру им. Келдыша - 85! . В юбилейной конференции приняли участие представители Роскосмоса, Росатома, Ростеха и российских ВУЗов . Сегодня Центр имени Келдыша работает над развитием космических аппаратов с более мощными двигателями - ядерными установками нового класса для работы которых не нужен солнечный свет и солнечные батареи . #ТелестудияРоскосмоса #ТВРоскосмос #Роскосмос #ЦентрКелдыша #ЦентрИмениКелдыша #Келдыш #Образование #Наука

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Die Basis des Raumfahrtsystems soll eine nukleare Raketenplattform sein. Derartige Raketentriebwerke wurden bereits in den 1950er- und 1960er-Jahren von der NASA, der US Atomic Energy Commission und seitdem auch zahlreichen weiteren staatlichen und privaten Einrichtungen erforscht – allerdings mit begrenzten Erfolgen. Beim Antrieb des Keldysh Zentrum soll ein Atomreaktor die nötigen Energie erzeugen, um einen Generator zu befeuern, der wiederum eine magnetoplasmadynamische Reaktion provoziert, die das Raumschiff voran schiebt. Das macht den Antrieb theoretisch effizient, leicht kalibrier- und kontrollierbar – aber im Falle eines Unfalls auch auch zu einer schmutzigen Bombe.

Sieht aus wie aus Avatar, oder?

Vor allem jedoch liege die Priorität der Wissenschaftler auf der Wiederverwendbarkeit der Raketenplattform. „Wir müssen Antriebe entwickeln, die nicht alle zehn Flüge feinabgestimmt oder repariert werden müssen“, sagt Vladimir Koshlakov, der das Institut leitet. Nach maximal zwei Tagen nach einem Einsatz müsse der Antrieb bereit für die nächste Mission sein. Das gehe mit der bisherigen Raketentechnik nur schwer. Die Technik der Falcon 9, Falcon Heavy und kommenden BFR von Elon Musk, stichelt Koshlakov, sei „vor langer Zeit“ entwickelt worden und im Vergleich mit der russischen Technologie veraltet.

Ob die thermonukleare Raketenplattform aber tatsächlich funktioniert und wann sie für einen praktischen Einsatz tauglich sei, wird von den Wissenschaftlern nicht verraten. Wie viel von der Ankündigung zu halten ist, ist also nicht ganz klar. Allerdings, das versprechen die russischen Forscher, sei ein Flug zum Mars quasi in greifbarer Nähe. Das mögliche Raumschiff zum roten Platen wird dabei in einem Konzeptclip als futuristischer Raumer mit einem Solarspiegel an der Front, kleinen Wohnmodulen an einem langen Träger und einer riesigen Triebwerksanlage am Heck gezeichnet, das ziemlich an das Raumschiff Venture Star aus dem Film Avatar erinnert.