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Die US-Marines wollen in Zukunft ihre Baracken ausdrucken

Michael Förtsch 12.09.2018 Lesezeit 3 Min

Die US-Marines sollen nicht mehr zu Hammer und Nagel greifen müssen, wenn sie eine Unterkunft benötigen. Stattdessen sollen Baracken bald aus dem 3D-Drucker kommen. Ein erster Testlauf war jedenfalls ein ziemlicher Erfolg.

Das US-Militär ist immer ganz vorne dabei, wenn es darum geht, neue Technologien und Techniken zu adaptieren. Daher experimentiert es bereits seit Jahren mit 3D-Druckern. Unter anderem wird erforscht, wie sich Waffen direkt im Feld fabrizieren oder für einzelne Soldaten individualisieren lassen. Aber auch die mehr oder minder friedliche Nutzung wird erforscht. So hat das US Marine Corps Systems Command, das für die Ausrüstungs- und Technologiebeschaffung der berühmten Marineinfanterie zuständig ist, eine Baracke gedruckt – in weniger als zwei Tagen.

Auf dem Gelände des US Army Engineer Research and Development Center in Champaign, Illinois steht der, nach Informationen der US-Armee, größte 3D-Drucker der Welt. Die eigens in Zusammenarbeit mit der US-Army und der Navy-Bautruppe Seabees konstruierte Maschine besteht aus einem breiten Gerüst, fließend höhenverstellbaren Trägern, Schienen, mehreren Betonpumpen und breiten Spritzdüsen. Insgesamt soll der Drucker eine Fläche von über 55 Quadratmetern einnehmen. Erst im Mai hatte das australische Unternehmen Titomic einen Metalldrucker vorgestellt, der die beachtliche Fläche von 27 Quadratmetern bedrucken kann.

Ein Haus in weniger als zwei Tagen

Gesteuert wird der Militär-3D-Drucker von einem zehn Jahre alten aber für den Feldeinsatz zertifizierten Laptop, auf dem auch das simple 3D-Modell einer 46 Quadratmeter großen Baracke erstellt worden war. Innerhalb von 40 Stunden soll der 3D-Drucker das Modell umgesetzt haben – das danach nur noch ein Dach benötigte. Ganz ähnlich wie bei einem handelsüblichen Plastik-3D-Drucker wurde das Gebäude Lage für Lage aufgespritzt und so langsam in die Höhe gezogen. Als Material kam dabei eine schnell härtende Betonmischung zum Einsatz. Die musste von den Marines vor Ort kontinuierlich frisch angemischt und in die Pumpanlage eingefüllt werden.

„Einen solchen Einsatz hat es zuvor nicht gegeben“, so Matthew Friedell, der zuständige Offizier des US Marine Corps Systems Command. „Menschen haben Gebäude und große Strukturen gedruckt. Aber das geschah nie vor Ort oder in einem Stück.“ Die Technik soll nun weiterentwickelt und zukünftig genutzt werden, um in Krisengebieten schnell eine Operationsbasis aufziehen zu können – möglichst ohne menschliche Aufsicht. Denn bisher würden zehn Soldaten zwischen drei und fünf Tagen brauchen, um ein vergleichbares Gebäude aus Holz zu errichten – das verglichen mit dem Betonbunker deutlich fragiler wäre. Aber auch bei Katastrophenfällen könnten derartige 3D-Drucker eingesetzt werden, um schnell stabile Notunterkünfte aufzubauen.

Gebäude aus dem 3D-Drucker sind generell nicht neu. In Dubai steht bereits ein kleiner Bürobau, dessen Einzelteile fast vollständig als 3D-Druck entstanden und dann vor Ort zusammengesetzt wurden. Bis 2030 sollen gar 25 Prozent aller neuen Gebäude im Emirat so gebaut werden. Ebenso hat die niederländische Stadt Eindhoven im Juni angekündigt, unter dem Namen Project Milestone im kommenden Jahr ein Wohnhaus mit einem 3D-Drucker zu konstruieren – und später wohl ganze Wohnsiedlungen.