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IFA-Highlights von WIRED: Vom intelligenten Kaffee über die VR-Bürokonferenz bis zum klugen Stirnband

Nadine Bader 01.09.2018 Lesezeit 7 Min

So ziemlich jedes Gerät soll bald „smart“ sein – von der Zahnbürste bis zum Toaster. Aber was bringt das überhaupt? Und welche Trends erwarten uns noch? Auf der Internationalen Funkausstellung Berlin gibt es Antworten. WIRED hat einen Vorschlag für einen „smarten“ Tag auf der Riesen-Elektronikmesse.

Dieses Jahr geht es auf der Internationalen Funkausstellung Berlin vor allem um mehr Vernetzung, Sprachsteuerung und Virtuelle Realität. 1800 Aussteller aus aller Welt sind bei der IFA dabei – viel zu viele, um sie an einem Tag abzuklappern. WIRED hat daher ein paar Vorschläge für euren Messebesuch gesammelt.

Mit smartem Kaffee in den IFA-Tag starten

Für viele beginnt der Tag mit einer duftenden Tasse Kaffee. Warum also nicht gleich mit einem smarten Kaffee? Denn es ist schon praktisch, die Kaffeemaschine anzustellen, während man noch im Bett liegt. Mit vernetzten Kaffeemaschinen geht das ganz einfach via App über Smartphone oder Tablet. Pünktlich zur IFA präsentiert Siemens die neue Kaffeemaschine EQ.9 plus. Per Fingertipp werden die Zubereitungseinstellungen an den Automaten gesendet, also zum Beispiel Kaffeestärke, Temperatur und Kaffeemenge pro Tasse. Die Maschine kann bis zu zehn verschiedene, individuelle Geschmackspräferenzen speichern. Nur die Tassen sollte man schon am Vortag unter den Auslauf stellen. Egal ob intelligente Kaffeemaschinen, Zahnbürsten, vernetzte Staubsaugroboter oder smarte Waschmaschinen – die Vernetzung von Hausgeräten gehört wieder zu den Top-Trends auf der IFA. Anschauen kann man sich das beispielsweise bei Siemens in Halle 1.1 oder bei Bosch in Halle 3.1.

Die Anbieter arbeiten dabei auch an immer neuen Anwendungen, die einem bei der Selbstoptimierung helfen sollen. Zum Beispiel soll die Smartwatch künftig die eigene Aktivität, das Fitnessziel und den Kalorienverbrauch aufeinander abstimmen. Wenn die tatsächliche Bewegungsleistung dem Trainingsplan hinterherhinkt, schlägt eine App über ein Rezeptportal statt des geplanten Schweinebratens eine leichtere Variante vor. Oder die Fitnessuhr meldet der Kaffeemaschine nach dem Aufstehen, wenn man schlecht geschlafen hat. Die Maschine schlägt dann vor, den Morgen-Kaffee etwas stärker zu machen.

Wenn der Kühlschrank mit dem Auto das Abendessen plant

Home Connect von BSH bietet dabei eine digitale Plattform, mit der sich Hausgeräte verschiedener Hersteller verbinden lassen. Home Connect ist dieses Jahr das erste Mal als eigene Marke auf der IFA vertreten, zu finden bei Bosch und Siemens.

Ein Zukunftsszenario, das die Marke dort präsentiert: Der Magen knurrt und schon schlägt die Home Connect App ein verlockendes Rezept vor. Die vernetzte Kamera im Kühlschrank zeigt der App, welche Zutaten dafür noch fehlen. Die App übernimmt die Zutaten in die Einkaufsliste und gibt sie an das Navigationssystem des Autos weiter, das für den Nutzer die optimale Shopping-Route erstellt. Die Geschäfte haben die Bestellung der Lebensmittel schon bekommen und händigen die Produkte auf dem Parkplatz aus. Falls es das Rezept erfordert, heizt der Backofen automatisch die richtige Temperatur vor. Technisch sei das schon möglich, sagt Nadine Singh-Glinski von Home Connect: „Wir haben die App, wir haben die Konnektivität, wir haben schon Partner. Was jetzt noch fehlt, sind die Lebensmittelgeschäfte, die mitmachen. Und das kann in den nächsten Monaten passieren.“

Auf der eigenen Terrasse und trotzdem pünktlich in der Konferenz? Virtual Reality soll das möglich machen.

Die VR-Morgenkonferenz mit den Kollegen

Wer sich nach einem smarten Frühstück ins Büro begibt, könnte die Schaltkonferenz mit seinen Kollegen bald per Virtual Reality führen. Der Trend auf der IFA geht in Richtung Social-VR. Die neue Technologie ermöglicht den Nutzern, virtuelle Welten gemeinsam und interaktiv zu erleben. Egal ob am Arbeitsplatz, beim Paragliding oder an einem virtuellen Pokertisch – das soziale Miteinander im virtuellen Raum steht im Vordergrund. Es funktioniert über VR-Avatare, die aufeinander reagieren können. Dank der Avatare können die User also nicht nur mit der Umgebung interagieren, sondern auch mit anderen Personen (bzw. deren Avataren). Aus Sicht von Tim Rohlfs von der Deutschen Telekom könnte die Anwendung bald auch in der Arbeitswelt eine Rolle spielen, um Konferenzen virtuell abzuhalten.

Das wäre nicht nur umweltschonend, weil längere Anreisen aus unterschiedlichen Städten oder Ländern überflüssig wären. Social-VR hätte auch Vorteile gegenüber gängigen Telefonkonferenzen, sagt Tim Rohlfs: „Es gibt Apps, anhand derer Kollegen sich direkt in einem Besprechungsraum treffen können, wo man beispielsweise auch Flip-Charts zeichnen kann. Das ist natürlich schon innovativ. So kann man auch den sozialen Aspekt, der bei einer Telefonkonferenz wegfällt, gewährleisten.“ Social-VR selber ausprobieren können IFA-Besucher zum Beispiel bei der Telekom in Halle 21. In der VR-Lounge können Nutzer hier einen Avatar erstellen und bis zu drei Freunde einladen, um sich in der virtuellen Realität zu treffen.

Flexible Displays, die auf T-Shirts und Handtaschen passen

Ein weiteres IFA-Highlight sind hochflexible Displays von Royole, die mit 0,01 Millimetern auch noch hauchdünn sind. Anwenden könnte man die Displays künftig zum Beispiel für Handys, die sich Kunden einfach ums Handgelenk legen können. Besonders Automobilhersteller haben dem Hersteller zufolge Interesse an den flexiblen Bildschirmen. Zum Beispiel, um die Displays als fest eingebaute, gebogene Screens zu verwenden.

Gefällt vielleicht nicht jedem, ist technisch aber interessant: Eine Handtasche mit einem flexiblen Display von Royole.     

„Bis es soweit ist, dürfte es aber noch zehn bis fünfzehn Jahre dauern“, sagt Jean Marc Behle, Pressereferent von Royole in Deutschland. „Die Folien- und die Sensorentechnologie sind verfügbar. Die Automobilindustrie müsste das aber noch entsprechend umsetzen.“ Damit sich die Kunden besser vorstellen können, was bereits möglich ist, zeigt Royole in Halle 3.2 flexible Wearables, also flexible Displays auf T-Shirts, Hüten und Handtaschen: Eyecatcher, die erahnen lassen, welche Verwendungsmöglichkeiten mit dieser Art der Displaytechnik noch offenstehen.

Mit dem Fernseher über den besten Wein plaudern

Wer vor dem Fernseher entspannen will, hat es auch hier mit immer smarteren Geräten zu tun. Anschauen kann man sich das zum Beispiel bei LG in Halle 18. Hier gibt es Fernseher der ThinQ-Reihe, ausgestattet mit dem Google Assistant. Nutzer sprechen in die Fernbedienung und bitten beispielsweise um einen Restauranttipp oder eine Weinempfehlung. Der Fernseher antwortet und zeigt die Infos auf dem Bildschirm an. Wer will, kann auch per Sprachansage den Kanal wechseln.

Ansonsten heißen die TV-Schlagworte: größer, kontrastreicher und schärfer. Nach 4K ist 8K der neue Fernsehtrend. Das bedeutet: 7680 zu 4320 Pixel und damit 33 Millionen bunt leuchtende Bildpunkte auf dem TV-Bildschirm. Bis sich das im Wohnzimmer durchsetzt, wird es wohl noch dauern. Die hohe Auflösung hat durchaus Vorteile. Denn viele Fernsehzuschauer wollen immer größere Bildschirme mit 55 Zoll und mehr. Wenn es aber nicht genug Platz für ausreichenden Sitzabstand gibt, dann wirkt selbst die eigentlich hohe 4K-Auflösung pixelig. 8K mit der vierfachen Pixelmenge kann das beheben, ohne dass man weiter vom Fernseher entfernt sitzen müsste.

Abends in einen smarten Schlaf einschlummern

Die Anbieter auf der IFA machen sich auch Gedanken darüber, wie sie den gestressten, selbstoptimierten Kunden besser in einen smarten Schlaf verhelfen können. Ein Beispiel: das Kopfband SmartSleep von Philips, das die Schlafqualität verbessern soll. Es ist gedacht für Menschen, die aufgrund ihres Lebensstils nicht genug Schlaf erhalten. „Zum Beispiel für Businessleute, die viel unterwegs oder Eltern von jungen Kindern sind“, sagt Svenja Eggert von Philips: „Also Menschen, die einen Lifestyle haben ohne ausreichend Schlaf und die das gerade nicht ändern können. Und die mit dem Kopfband den Schlaf, den sie bekommen, optimieren wollen.“

Das SmartSleep Kopfband von Philips soll die Schlafqualität verbessern.

Infos zum Kopfband gibt es bei Philips in Halle 22. Das Kopfband verfügt über zwei Sensoren, die Aktivitäten von sogenannten Delta-Wellen sammeln. Diese Delta-Wellen, also bestimmte Gehirnströme, kennzeichnen die Tiefschlafphase. Das Kopfband kann so erkennen, wann der Anwender einschläft und die Sensoren zeigen genau an, wann der Tiefschlaf beginnt. Darauf reagieren sie mit verstärkenden Frequenzen, den sogenannten „Sleep Boosts“. Das Kopfband wird via USB aufgeladen. Wi-Fi und Bluetooth, über die es mit einer App verbunden wird, sind während des Tragens in der Nacht abgeschaltet. Die SleepMapperApp wertet den Schlaf aus und liefert genaue Angaben zum Zeitpunkt des Einschlafens, der Tiefschlafzeit, der Anzahl und Auswirkungen der „Sleep Boosts“ sowie der Schlafdauer. In Deutschland soll das Kopfband Anfang 2019 auf den Markt kommen.

Die IFA läuft noch bis zum 5. September

Wer sich die Techniktrends der IFA nicht entgehen lassen möchte, kann die Messe noch bis 5. September besuchen täglich von 10 bis 18 Uhr. Reguläre Tickets kosten 17,50 Euro, ermäßigt 13 Euro und das Familien-Ticket 36 Euro. Am besten ein bisschen smartes Proviant mitbringen (die Snacks auf der Messe sind teuer) und Ausdauer. Alleine um sich einen guten Überblick zu verschaffen, sollte man mehrere Stunden einplanen.