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Die Google-Firma Wing testet 2019 kostenlose Drohnen-Lieferungen in Finnland

Michael Förtsch 06.12.2018 Lesezeit 2 Min

Vor fünf Jahren hatte Jeff Bezos versprochen, dass Amazon in vier bis fünf Jahren seine Pakete per Drohne liefern würde. Geworden ist daraus nichts. Stattdessen will nun aber die Google-Firma Wing im kommenden Jahr die Einwohner von Helsinki per Multicopter mit ihren Bestellungen versorgen.

Im Juli ist, wie schon aus Project Loon, auch aus dem ehemaligen Google-X-Projekt Wing eine eigene Firma geworden. Deren Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie sich Drohnen effektiv für die Paketzustellung nutzen lassen. Insgesamt sechs Jahre haben Ingenieure und Entwickler bereits in die Konstruktion einer passenden Drohe, Steuer- und Logistiksoftware investiert. Im kommenden Jahr wird nun auch in Europa ein erster großangelegter Testlauf gestartet. Ab dem Frühjahr sollen sich nämlich die Einwohner des finnischen Helsinki erste Pakete mit einem Gewicht von bis zu 1,5 Kilogramm direkt vor die Haustür oder zu ihrem aktuellen Standort bringen lassen – und das kostenlos.

Was genau alles geliefert werden wird, das will Wing von den Einwohnern wissen und nimmt auf einer Übersichtsseite verschiedene Vorschläge und Präferenzen entgegen. Unter anderem finden sich unter den Vorschlägen Medikamente, Frühstück, Mittag- und Abendessen ebenso wie aber auch Notfallutensilien – zu denen Wing beispielsweise Windeln aber auch Eiskratzer zählt. Bei einer eineinhalb Jahre dauernden Testphase im Südosten Australiens hatte Wing vor allem Fastfood an Studenten und medizinische Güter an Ärzte und Patienten zugestellt. Insgesamt sollen die Wing-Drohnen schon über 60.000 Flüge absolviert haben.

Weiter als Amazon

Die vom Google-Start-up entwickelte Drohne hört auf den Namen Hummingbird. Sie ist rund einen Meter breit, verfügt über kurze Tragflächen und zwei Propeller, die für den Vortrieb sorgen. Dazu sind auf zwei Längsachsen insgesamt zwölf Rotoren abgebracht, die sie stabil und sicher in der Luft halten sollen. Für Orientierung sorgen eine Kamera, mehrere Sensoren und GPS. Dazu soll das Steuersystem mit jedem Flug dazulernen. Die Reichweite ist auf 20 Kilometer beschränkt – und der Lieferumkreis damit auf zehn Kilometer. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 125 Kilometern pro Stunde soll ein Paket binnen zehn Minuten beim Besteller ankommen. Das wird dann per Seilwinde heruntergelassen und knapp über dem Boden ausgeklinkt.

Mit diesem Versuch und den Tests mit echten Kunden ist das Google-Unternehmen bereits weiter als Amazon. Dessen Gründer Jeff Bezos hatte, wie ein Artikel der AP ausführt, vor mittlerweile fünf Jahren groß angekündigt, dass spätestens in diesem Jahr die Pakete des Versand- und Technologiegiganten per Drohe an die Türschwelle geflogen kämen. Zwar wurde im Dezember 2016 medienwirksam die erste Prime-Air-Lieferung mit einer autonomen Drohne durchgeführt aber zu einem breiten und praktischen Einsatz ist es bisher nicht gekommen.