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Die EU will Netflix und Co. zu Quotenproduktionen zwingen

WIRED Staff 04.09.2018 Lesezeit 3 Min

Die Europäische Kommission will dafür sorgen, dass Streamingdienste mindestens 30 Prozent ihres Angebotskatalogs mit lokalen Produktionen befüllen. Das soll bereits im Dezember zum Gesetz werden.

Eine Quote soll Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime und Maxdome schon bald zwingen, mehr europäische Produktionen aufzunehmen. Mindestens 30 Prozent der jeweiligen Kataloge sollen aus Europa kommen. Bereits im Dezember 2018 kännte die Richtlinie in Kraft treten. „Wir müssen nur noch final abstimmen, aber das ist eine reine Formalität“, hatte Roberto Viola, der EU-Generaldirektor für Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien, gegenüber Variety gesagt.

Sollte der Beschluss kommen, hätten die 28 Mitgliedsstaaten anschließend 20 Monate Zeit, ihn dementsprechend umzusetzen. Ebenso hätten sie aber auch die Freiheit, die Quote anzupassen – beispielsweise, um sie zu verschärfen oder eine zusätzliche nationale Quote einzuführen. Alternativ könnten die Streaminganbieter aber auch Ablasszahlungen in Filmfonds tätigen. Denn, wie Viola erklärte, gehe es primär darum, größere Anteile der Umsätze der Dienste in die europäische Film- und TV-Wirtschaft zuleiten – wie es in Deutschland bereits gehandhabt wird. Hier zahlen Kinos, TV-Sender und auch Streamingdienste einen Beitrag in die Filmförderungsanstalt.

Bereits im vergangenen Jahr wurde die Quote debattiert und auch viel kritisiert. Mittlerweile ist jedoch schon weiter Teil der Inhalte auf Netflix aus europäischer Produktion. Unter anderem finden sich dort die deutsche Mystery-Serie Dark, die skandinavischen Krimi- und Dramaserien Die Brücke und Fallet, die spanische Serie Haus des Geldes und die französischen Krimiproduktionen Glacé und La Mante. Wie Roberto Viola anmerkte, sei Netflix kurz davor, die Quote zu erfüllen. Wie es bei anderen Anbietern ausschaut, ist nicht bekannt. Jedoch wolle die EU im Oktober die bisher erhobenen Zahlen veröffentlichen.

Tatsächlich, so hatte WIRED-Autor Michael Förtsch schon im vergangen Jahr kommentiert, ist das Ziel der EU lobenswert. Allerdings könnte sich die Quote zum Nachteil der Kunden auswirken. Denn statt weitere Produktionen in Europa in Auftrag zu geben oder einzukaufen, könnten die Streamingdienste ihre Inhaltekatalog auch einfach beschneiden. Filme und Serie die eigentlich angeboten werden könnten, würden dann nicht in der EU bereitgestellt, wenn sie zu einer Verletzung der Quote führen.