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Die US-Börsenaufsicht hat nun Elon Musk verklagt

WIRED Staff, Michael Förtsch 28.09.2018 Lesezeit 4 Min

Die US-Börsen- und Handelsaufsicht klagt nun offiziell gegen Elon Musk. Der muss sich wegen seiner Tweets nun vor einem Zivilgericht gegen den Vorwurf des Kapitalmarktbetrugs verteidigen. Die Behörde fordert, dass muss Musk seinen Chefposten verlassen soll.

Auf Twitter hatte Elon Musk angekündigt, Tesla von der Börse nehmen zu wollen. Die Finanzierung sei gesichert, hatte er Anfang August behauptet. Jeden Anteilseigner wollte er mit 420 US-Dollar pro Aktie auszahlen – und hatte damit den E-Autobauer kurzzeitig auf einen Höhenflug geschickt. Dann musste er von den Plänen zurückrudern. Mehrere Börsenspekulanten hatten daraufhin eine Beschwerde eingereicht und die US-Börsen- und Handelsaufsicht Securities and Exchange Commission – kurz SEC – eine Untersuchung eingeleitet. Die hat ergeben: Elon Musk soll Kapitalmarktbetrug begangen haben. Er habe „signifikante Verwirrung und Störung im Markt für Tesla-Aktien aus[gelöst], wodurch Anleger geschädigt wurden.“

Nun hat die Behörde vor dem US District Court Southern New York eine Anklage – SEC vs. Elon Musk, 1:18-cv-8865 – eingereicht. In dieser wird Elon Musk vorgeworfen, dass er wusste, dass seine Tweets zur Finanzierung, dem Preis pro Aktie und andere Behauptungen „falsch und irreführend“ waren. Er wäre sich im Klaren darüber gewesen, so die Klageschrift, „dass er nie mit einer potenziellen Geldquelle ein Delisting von Tesla zum Preis von 420 US-Dollar pro Aktie erörtert hatte; dass er nichts getan hatte, um herauszufinden, ob es allen Aktionären möglich wäre, bei Tesla zu bleiben; dass er keine Bestätigung von Tesla-Investoren eingeholt hatte.“

Bei den Treffen mit dem Public Investment Fund von Saudi-Arabien und anderen möglichen Geldgebern sei es zwar zu Gesprächen über Tesla und mögliche Gegenleistungen gekommen. Aber nie seien eine Investmentsumme, vertragliche oder rechtliche Aspekte zur Sprache bekommen.„Musk hat zentrale Bedingungen eines Vertrags“, heißt es in der Klage, „darunter einen Preis, mit keiner einzigen Finanzierungsquelle erörtert, geschweige denn vereinbart.“

Zudem hätte der Tesla-Chef bewusst weitere Aspekte und Bedingungen eines marktkonformen Handelns und ordentlichen Rückzugs von einer Börsenlistung ignoriert. Darunter: Er hat schlichtweg die Börse NASDAQ nicht über seine Pläne informiert und nicht geplant, wie genug Tesla-Teilhaber aussortiert werden können. Denn Tesla hat über 800 Aktionäre und Investoren – bei Nicht-Börsen-Unternehmen dürfen es aber maximal 300 sein.

Auch geht die Klageschrift auf Bemerkungen ein, die Musk über Short Seller machte, die an fallenden Kursen von Tesla verdienten und dass der 420-US-Dollar-Preis zustande kam, da ihn seine Freundin „witzig finden würde“ – denn 420 ist ein gebräuchliches Codewort für den regelmäßigen Cannabiskonsum.

Musk soll als Tesla-Chef abgetreten werden

„Dieses ungerechtfertigte Vorgehen der SEC macht mich tieftraurig und enttäuscht“, sagte Musk als Reaktion auf die Klage. Er habe „immer im besten Interesse der Wahrheit, der Transparenz und der Aktionäre gehandelt.“

Die Behörde fordert derzeit auch, dass Elon Musk aller seiner Positionen enthoben werden muss – nicht nur soll er den Chefposten räumen, sondern auch aus dem Verwaltungsrat ausgeschlossen werden. Das gälte sowohl für Tesla als auch andere börsennotierte Unternehmen in denen er eingebunden ist. SpaceX und The Boring Company sind davon nicht betroffen, da beide Firmen nicht an der Börse sind.

Weiterhin soll untersucht werden, fordert die SEC, ob Musk aus seinen Tweets und anderen Behauptungen einen Gewinn geschöpft hat – der dann eingezogen werden solle, samt Zinsen. Ebenso sollen auch harte Strafzahlungen fällig werden. Ein Vergleich der von der SEC angeboten und von Elon Musks Anwälten beurteilt worden war, habe der US-Milliardär schon ausgeschlagen. Im nachbörslichen Handel hatte all das bereits Auswirkungen auf die Tesla-Aktie, deren Kurs um 12 Prozent fiel, obwohl der Autohersteller selbst nicht zur Debatte steht.