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Der ADAC kommt bald mit dem Volocopter

Michael Förtsch 30.11.2018 Lesezeit 3 Min

Die gelben Rettungshubschrauber des ADAC könnten in Zukunft spannende Gesellschaft bekommen. Denn die Luftrettung des Autofahrervereins will das Lufttaxi Volocopter erproben. Der Multicopter soll helfen, Notärzte noch schneller und energiesparender zu Unfallorten zu bringen.

Das in Bruchsal beheimatete Start-up Volocopter ist im Rennen um das erste serientaugliche Flugtaxi ganz weit vorne. Denn dessen über rund neun Jahre hinweg entwickelter Volocopter, ein Hubschrauber Korpus, der von 18 in einem Kreisgestell angeordneten Rotoren in die Luft gehoben wird, hat schon zahllose Probeflüge bestanden. Das hat bereits internationale Partner überzeugt, den in seiner aktuellen Fassung 2X getauften Multicopter unter realen Bedingungen zu testen. Dazu kommt jetzt auch eine deutsche Größe. Nämlich der ADAC, der ihn als Hubschrauberersatz ausprobieren will.

Kommt es auf Autobahnen, abgelegenen Straßen oder unzugänglichem Gelände zu schweren Unfällen, dann ist nicht selten auch ein gelber Rettungshubschrauber der ADAC-Luftrettung vor Ort. Seit 1982 gibt es den Verein, der mit seinen BK-117-, EC135- und EC-145-Helikoptern jährlich über 50.000 Einsätze fliegt. In Zukunft könnten einige davon durch die Volocopter ersetzt werden. Denn zumindest in Bayern und Rheinland-Pfalz sollen mit den Elektro-Multicoptern mehrere Testläufe absolviert werden.

Bald sind sie in der Luft

„Bereits in den kommenden Monaten soll es erste Forschungsflüge geben“, heißt es vom ADAC dazu. Dabei geht es primär um die Frage, ob ein Volocopter für die Einsätze, die die Luftrettung fliegt, schnell, wendig genug und überhaupt sinnvoll nutzbar ist. Aber es geht ebenso darum, ob der elektrische Mini-Flieger wirtschaftlich weniger aufwendig und teuer zu betreiben sein könnte. Denn beim Volocopter existieren deutlich weniger bewegliche und damit wartungsintensive Teile. Dazu tankt der Senkrechtstarter aus Deutschland kein Kerosin, sondern Strom aus einer Ladestation oder wird mit einem schnellen Batterie-Wechsel wieder einsatzbereit gemacht.

Gesteuert werden die Volocopter in Deutschland weiterhin von einem Piloten. Denn zwar ist in die Riesendrohne ein System für autonome Flüge integriert, aber das ist in Deutschland und der EU noch nicht zugelassen und damit nicht nutzbar. Rechtlich gilt der Volocopter 2X übrigens seit einer Prüfung im Jahre 2016 als Ultraleichtflugzeug.

Der Testlauf bei der Luftrettung ist zunächst auf eineinhalb Jahre angelegt und soll vom Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement der Universität München begleitet werden, die zudem auch Computersimulationen zu verschiedenen Rettungsszenarien laufen lässt. Ebenso wird das Projekt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unterstützt, das den ADAC bei seinen Froschungs- und Entwicklungsprojekten zur Hand geht. Ob und welche Zukunft der Volocopter bei der Luftrettung hat, dazu soll es bereits Ende nächsten Jahres erste Erkenntnisse geben.