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Darum hat das Saarland nun Elon Musk eingeladen

Michael Förtsch 26.06.2018 Lesezeit 3 Min

Erst kürzlich ließ Elon Musk durchblicken, dass er gerne in Deutschland eine Gigafactory bauen würde. Das nahm das Saarland als konkrete Ansage. Das Bundesland hat Elon Musk nun eingeladen.

Geht es nach Elon Musk, dann ist die Zukunft unserer Welt nahezu vollkommen elektrisch. PKW, LKW und Flugzeuge sollen mit elektrischem Strom statt Benzin, Diesel, Kerosin oder Gas betrieben werden. Erneuerbare Energien sollen Kohle-, Kern- und Gaskraftwerke überflüssig machen. Denn die grüne Energie könne in riesigen Batterie-Kaskaden gespeichert werden, wie sie bereits das Stromnetz in Australien absichern. Aber für diese Vision braucht es jede Menge Akkumulatoren – die natürlich in Teslas Fabriken gefertigt werden sollen.

Bislang existiert mit der Gigafactory 1 nahe Clark in Nevada nur eine Produktionsanlage, in der die Batterien für die Tesla-Fahrzeuge, Powerwalls und Powerpacks gefertigt werden. Denn in der kleinen Gigafactory 2 – ehemals SolarCity Gigafactory – in Buffalo, New York werden lediglich Photovoltaikmodule und Solar-Roof-Schindeln hergestellt.

Seit 2014 ist die Gigafactory 1 im Bau. Derzeit deckt sie fast 176.000 Quadratmeter ab. Nach ihrer Fertigstellung soll sie über drei Mal so groß sein.

Eine Fabrik für Deutschland

Nun hatte Elon Musk kürzlich in einem Tweet durchblicken lassen, dass er sich Deutschland gut als Standort für eine weitere Gigafactory vorstellen könnte. Es sei sogar „die beste Wahl“ in Europa. Vor allem ein Ort nahe der Grenze zu den Benelux-Ländern wäre wohl ideal. Damit wäre, wie WIRED Germany schätzte, das Saarland einer der besten Kandidaten. Das sieht offenbar auch die Regierung des Bundeslandes so.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans und seine Stellvertreterin Anke Rehlinger haben nun einen gemeinsamen Brief an Tesla-Chef Elon Musk geschickt. Nämlich um, wie die Staatskanzlei in Saarbrücken bestätigte, „noch einmal auf die besonderen Standortstärken des Saarlandes hinzuweisen und das Angebot aktiver Unterstützung zu machen.“ Dabei soll nicht nur für die günstige geographische Lage – unter anderem wegen der Nähe zum Montagewerk im niederländischen Tilburg – geworben werden, sondern auch für die industrieerfahrenen Fachkräfte und die örtliche Forschungsarbeit, die unter anderem Bereiche wie Künstliche Intelligenz und Automatisierung abdeckt. Der US-Milliardär sei gerne eingeladen, vorbeizuschauen und sich bei einem persönlichen Gespräch einen Eindruck zu verschaffen.

Auch die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Saar wolle sich für das Saarland stark machen und habe bereits Kontakt zu Tesla. Zudem hätten, wie die Saarbrücker Zeitung berichtet, die FDP als auch die Grünen die Landesregierung aufgefordert, sich „aktiv um die Ansiedlung des Elektroauto-Herstellers Tesla zu bemühen.“

6.000 Arbeitsplätze und Milliarden für die Wirtschaft

Der Enthusiasmus des Saarland ist durchaus nachvollziehbar. Sollte Tesla für eine Gigafactory in Deutschland vergleichbare Dimensionen wie beim US-Vorbild anstreben, dann würde das fast 6.000 Arbeitsplätze schaffen. Ebenso gibt der E-Autobauer für den Bau der riesigen Hallenkonstruktion und Fertigungsstraßen in Clark über vier Milliarden Euro aus – die natürlich auch Bauunternehmen aus der Region zu Gute kommen würden. Dazu kommen Steuereinnahmen und ein möglicher Ausbau der Infrastruktur für Elektrofahrzeuge, wie er bereits in den USA rund um Tesla-Standorte stattfindet.

Ob und wann aber eine Gigafactory in Deutschland aufgebaut werden könnte, steht noch aus. Die erste Fabrik im US-Ausland plant Tesla derzeit in China – wobei das Unternehmen dort gerade in Verhandlungen mit lokalen Behörden steht. Langfristig will Elon Musk weltweit etliche der riesigen Fabriken platzieren. „Wir haben das berechnet“, sagte Elon Musk in der Dokumentation Before the Flood. Dem US-Milliardär zufolge brauche „100 Gigafactories“ um die „ganze Welt zu nachhaltigen Energien zu führen.“