Das Model 3 ist profitabel – aber Tesla braucht dennoch Hilfe

Michael Förtsch 23.07.2018 Lesezeit 3 Min

Offenbar wird es bei Tesla gerade wieder eng. Der E-Autobauer bittet seine Lieferanten um Geld und Rabatte. Gleichzeitig prophezeien ehemalige Kritiker aber auch, dass das Model 3 zum finanziellen Erfolg werden könnte.

Trotz Entlassungen und den angefahrenen Restrukturierungsmaßnahmen verbrennt Tesla nach wie vor riesige Mengen Geld. Nicht zuletzt auch in der Bemühung, die selbstgesetzten Produktionsziele zu erreichen. Für hunderte Millionen US-Dollar hatte Elon Musk eine zusätzliche Produktionslinie aus Deutschland einfliegen lassen. Derzeit werden etliche Fabrikmitarbeiter eingestellt, die nun zunächst regelmäßig 5.000 und alsbald 8.000 bis 10.000 Model 3 pro Woche bauen sollen. Alleine im ersten Quartal dieses Jahres hat Tesla 7.430 US-Dollar pro Minute ausgegeben. Offenbar wird es dadurch gerade wirklich knapp im Portemonnaie. Denn nun hat Tesla seine Lieferanten um Hilfe gebeten.

Wie das Wallstreet Journal erfahren und Tesla mittlerweile auch bestätigt hat, hat der E-Autobauer die Zulieferer von Fahrzeugteilen des Model S und Model 3 gebeten, doch ihre Preise zu senken. Auch sollen sie doch bitte nachträgliche Rabatte für bereits erfolgte und bezahlte Lieferungen gewähren – und Tesla „namhafte Mengen an Geld“ zurückerstatten. Dabei geht es um Bestellungen, die teils bis ins Jahr 2016 zurückreichen.

Wie Tesla in den Anfragen schreibt, wären die Rabatte „unerlässlich, um den Betrieb weiterzuführen“. Aber vor allem wäre es ein Investment in Tesla und eine Chance, um gemeinsam weiterzuwachsen. Tatsächlich sind derartige Verhandlungen von Autobauern mit Zulieferern nicht unüblich – aber Rückforderungen auf lange zurückliegende Geschäfte schon. Ob bereits Zulieferer auf die Anfrage eingegangen sind oder wie viele Firmen diese überhaupt erhalten haben, das ist unklar und wurde von Tesla nicht kommentiert.

Dennoch gibt es derzeit auch durchaus positive Entwicklungen. Das Gutachter- und Beratungsunternehmen Munro & Associates, das Tesla zunächst kritisch gegenüber stand, hat mehrere Model-3-Fahrzeuge zerlegt und analysiert. Den Ingenieuren zufolge seien die verbauten Komponenten und Bauteile hochwertig und die Gesamtkonstruktion des Wagens erstaunlich geradlinig – und gar minimalistisch. Aber vor allem sei es für Tesla möglich, das Model 3 letztlich mit einer Gewinnmarge von 30 Prozent zu produzieren, wenn die Produktion denn mal problemlos läuft. Elon Musk hatte die Marge einst selbst um fünf Prozentpunkte niedriger angesetzt.