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Neue Züge auf deutschen Gleisen: Einer mit Batterie, einer mit Brennstoffzelle

WIRED Staff 17.09.2018 Lesezeit 2 Min

Der kanadische Hersteller Bombardier testet mit dem Talent 3 Hybrid-Elektrozug erstmals seit mehr als 60 Jahren einen batteriebetriebenen Zug auf europäischen Schienen. Das Projekt läuft gerade in Berlin an. Währenddessen startete in Norddeutschland der erste Brennstoffzellenzug. Beide Technologien sollen helfen, die umweltschädlichen Diesel-Loks zu verdrängen.

Der jetzt in Berlin eingesetzte Prototyp des Talent 3 von Bombardier durfte am Wochenende erstmals fahren und hat bei vollen Akkus eine Reichweite von 40 Kilometern. Spätere Versionen für den kommerziellen Einsatz sollen rund 100 Kilometer schaffen. Der Talent 3 erzeugt keine Abgase und soll sowohl eine Energieeffizienz als auch eine potentielle Recyclingquote von 90 Prozent haben. Wie unter anderem Engadget schreibt, will die Deutsche Bahn im kommenden Jahr Bombardiers Batteriezug während eines zwölfmonatigen Pilotprojekts im Passagierbetrieb nahe des Bodensees testen. Bombardier erhält für die Entwicklung des Talent 3 eine Unterstützung in Höhe von vier Millionen Euro von der Bundesregierung.

Weltpremiere für Brennstoffzellenzug

Als Alternative zu Batterien könnten in Zügen auf nicht elektrifizierten Strecken auch Wasserstoff-Brennstoffzellen eingesetzt werden. Schon 2017 liefen dafür die weltweit ersten Tests in Deutschland an. Am Sonntag nahm der Coradia iLint von Alstom dann in Bremervörde seinen Betrieb auf, eine Weltpremiere. Er wird im regulären Linienverkehr Fahrgäste zwischen Bremervörde, Cuxhaven, Bremerhaven und Buxtehude transportieren.

Der Brennstoffzellenzug hat gegenüber dem Akkuzug einen großen Vorteil: Seine Reichweite liegt bei bis zu 1000 Kilometern. Dafür muss der nötige Wasserstoff laut NDR derzeit noch per Tankwagen aus den Niederlanden geliefert werden. Auch später wird für seine Erzeugung eine spezielle Anlage benötigt werden. Der Batteriezug von Bombardier kann dagegen während der Fahrt in elektrifizierten Schienenabschnitten aufgeladen werden.

In Deutschland gibt es derzeit noch viele Dieselzüge, da nur etwa 60 Prozent des hiesigen Gleisnetzes elektrifiziert sind. Damit Umwelt- und Klimaschutz auch in den übrigen Bereich vordringen können, sollen Züge mit Batterien oder Brennstoffzellen her. Die nachträgliche Elektrifizierung der Schienen wäre in vielen Bereichen nämlich deutlich teurer.