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Benzin statt Batterie: Elektroautos spielen bei der L.A. Auto Show nur eine Nebenrolle

Dominik Bardow 05.12.2018 Lesezeit 6 Min

Während auf der Klimakonferenz in Polen diskutiert wird, wie die globale Erwärmung gebremst werden kann, feiern die Autobauer bei der L.A. Auto Show fast als wäre nichts gewesen: dicke SUVs und Limousinen mit Verbrennungsmotoren dominieren die Hallen, stellte WIRED-Autor Dominik Bardow dort fest. Elektroautos werden nur am Rande präsentiert.

Wenn man keine bahnbrechende Neuheit dabei hat, kann man immer noch tanzen. Also lässt Mercedes seinen Geländewagen GLE zu lauter Musik mit dem Heck wackeln. Die Tanzeinlage auf der Los Angeles Autoshow soll demonstrieren, wie elastisch das Fahrwerk ist. Oder davon ablenken, dass das wirkliche Zukunftsmodell des deutschen Autobauers in Kalifornien fehlt: Das neue Elektroauto EQC, das zwei Monate zuvor Weltpremiere feierte, sucht man hier in der Messehalle vergeblich.

Es passt zum Gesamteindruck der L.A. Auto Show. Hier präsentieren die Hersteller noch bis Sonntag die Modelle, die Kunden künftig kaufen sollen. Die Elektromobilität kommt dabei noch nicht richtig an, weder auf der Messe noch beim Kunden. Die beiden Ausstellerhallen werden dominiert von großspurigen Macho-Modellen mit Verbrennungsmotoren. Derweil wird parallel in Polen auf der Weltklimakonferenz diskutiert, wie man den CO2-Ausstoß herunterfahren könnte.

Tesla ist der einzige reine Elektroautobauer in der Haupthalle

Nun war die seit 1907 stattfindende Auto Show in Los Angeles nie die Messe für den kleinen Mann im Kompaktwagen. SUV, Sportwagen und Pick-up-Trucks prägen nicht nur das Straßenbild der versmogten US-Metropole. Auch im Convention Center in Downtown lautet das Motto seit jeher: „Bigger, better, faster.“ Selbst wenn General Motors kurz zuvor noch die Schließung von fünf Werken angekündigt an: Auf der L.A. Auto Show ist von drohender Krise, Demut und Downsizing nichts zu merken. Die beiden Hallen wirken wie ein endloses Autohaus. Hilfskräfte polieren die Luxuskarossen ständig nach, damit sie im Scheinwerferlicht schön glänzen. Dauerlächelnde Hostessen weisen auf sich drehende Riesenautos, falls sie jemand übersehen hat. Hier ist fast alles vertreten, was groß und teuer ist: Porsche, Audi, BMW, Mercedes, Cadillac, Lexus, Chevrolet...

Als einziger reiner Elektroautohersteller ist Tesla in der Haupthalle dabei. Zwar direkt im Eingangsbereich, aber nur mit drei Autos und einem nachgebauten Solarhaus. Wo sind die anderen Elektroautos? „Habe ich mich auch gefragt“, sagt der junge Mitarbeiter am Tesla-Stand. Nur vereinzelt finden sich Batteriemodelle auf den Präsentationsflächen der klassischen Autobauer.

Porsche-Fahrer können ihren CO2-Fußabdruck ausgleichen

Das Kräfteverhältnis auf dem Markt zeigt wohl am besten Porsche: Die Stuttgarter verkaufen in den USA mehr Autos als in Europa. In Los Angeles haben sie eine eigene Halle in der Halle, sogar mit eigenem Fanartikelshop. Der Porsche-Pavillon wird wegen Überfüllung geschlossen, als der inoffizielle Star der Auto Show präsentiert wird: der neue 911er. Der eben aussieht wie ein 911er. Eigentlich wie jeder 911er seit der Erstauflage 1963. Aber der hier ist eben neu, deswegen ist der Andrang groß. Es gab Gerüchte, der neue Porsche könnte ein Hybrid werden. Aber zu viel Veränderung hätte womöglich die Fans verschreckt. Also alles beim Alten. Dafür präsentiert Porsche eine kuriose Erleichterung fürs schlechte Umweltgewissen: Ein Emissionsrechner im Auto bemisst den Betrag, den der Sportwagenfahrer für Klimaprojekte spenden kann, um so den CO2-Fußabdruck seiner Fahrten auszugleichen.

Auf der Auto Show wird auf auffallend vielen Videowänden mit Wägen geworben, die durch unbelastete Naturlandschaften fahren. Auch bei BMW. Dort wird mit dem iNext eine der wenigen Elektroinnovationen der Messe vorgestellt. Der selbstfahrende Geländewagen soll ein Baukasten für die Zukunftstechnologien der Münchner werden. Auch wenn weiter über 75 Prozent der Flotte mit Verbrennungsmotoren fahren sollen. „In Deutschland wird viel über Elektromobilität geredet, aber die Kunden kaufen nichts“, klagt Entwicklungschef Klaus Fröhlich.

Auch in den USA ist der Marktanteil von Elektroautos insgesamt zwar steigend. Aber er liegt, wie in Deutschland, knapp unter zwei Prozent. Wie zum Beweis drängen sich nach der Vorstellung der BMW-Neuheiten mehr Interessenten um die Luxuskarosse X7 oder das 8er-Cabrio als um den futuristischen iNext. Der soll sowieso erst ab 2021 in Serie gehen.

Audi präsentiert den e-tron GT

Ein Elektroauto, das direkt auf der Auto Show begeistert, ist der e-tron GT von Audi Sport. „Electric goes Audi“, heißt es bei Präsentation, und tatsächlich wirkt die schnittige Luxuslimousine weniger bieder als manches Elektroauto. Vielleicht begeistert das Konzeptauto, das 2020 oder 2021 kommen soll, die Zuschauer aber auch, weil es „Iron Man“-Darsteller Robert Downey Jr. per Videobotschaft vorstellt. Die Frage ist natürlich auch, ob ein 600-PS-Sportwagen die Zukunft der nachhaltigen Elektromobilität ist. Selbst wenn Chefdesigner Marc Lichte das „vegane Interieur“ des e-tron preist.

Andererseits können größere Wagen auch größere Batterien transportieren – und so ein großes Problem der E-Mobilität beheben: die Reichweite. Dass riesige Elektroautos durchaus die Zukunft sein könnten, zeigt auch Rivian. Das Start-up-Unternehmen war zuvor selbst Autonerds nahezu unbekannt. In Los Angeles präsentierten die Amerikaner fast aus dem Nichts einen SUV und einen Pick-Up-Truck, der für Aufsehen sorgt. Auf einem kleinen Stand in der Nebenhalle versteckt, stiehlt der elektrische Pritschenwagen mit 640 Kilometern Reichweite sogar Monstertrucks wie dem 5,50 Meter langen „Gladiator“ von Jeep die Show.

Die Elektromobilität ist eine Chance für Newcomer

Das amerikanischste aller Autos in einer Batterievariante – das ist eine Kampfansage des kleinen Newcomers. Nach Jahrzehnten mit immer gleichen Playern machen Start-ups den schwerfälligen Altautobauern plötzlich Konkurrenz. Auch wenn vieles beim Alten bleibt: Die Los Angeles Autoshow deutet einen Zeitenwandel zumindest an. Das zeigt sich auch bei VW. Am Stand der Wolfsburger ist zwar auch keine wirkliche Neuheit zu sehen. Dafür aber ein Abschied: Der Beetle wird in den USA noch einmal in einer „Final Edition“ aufgelegt. Danach ist Schluss für die Nachfolgereihe des legendären VW Käfers. Gerüchteweise heißt es aber, der Beetle könnte irgendwann nochmal zurückkommen – als Elektroauto.

Hinweis: Unser Autor ist auf Einladung von BMW nach L.A. gereist.