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Amerikanische Behörde will gegen „E-Zigaretten-Epidemie“ bei Teenagern vorgehen

Nitasha Tiku (WIRED US) 17.09.2018 Lesezeit 4 Min

Die US-Behörde für Lebensmittelsicherheit hat sich schon öfter mit den Herstellern von E-Zigaretten angelegt. Jetzt geht sie noch einen Schritt weiter: Sie droht mehreren Firmen mit einem Verbot von Produkten mit Aroma. Denn gerade die werden bei Teenagern immer beliebter, obwohl sie eigentlich nur an Erwachsene verkauft werden dürfen.

Der Konsum von E-Zigaretten durch Jugendliche habe „epidemische Ausmaße“ erreicht, sagte die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) am vergangenen Mittwoch. Die Behörde gab Juul und vier weiteren E-Zigarettenhersteller nun eine Frist von 60 Tagen, um überzeugend darzulegen, wie sie gegen den Konsum durch Minderjährige vorgehen wollen. Sonst könnte die Behörde bestimmte besonders beliebte Produkte vom Markt nehmen.

In einem öffentlichen Briefing warf Scott Gottlieb, ein Vertreter der FDA, den Unternehmen vor, dass sie die Auswirkungen ihrer Produkte auf die öffentliche Gesundheit und ihre rechtlichen Verpflichtungen nicht berücksichtigt hätten. „Meiner Meinung nach haben sie das Thema mehr als eine Herausforderung für ihre PR-Abteilung behandelt“, sagte er.

Anders als herkömmliche Zigaretten brennen E-Zigaretten nicht. Durch eine chemische Reaktion verdampfen sie eine üblicherweise nikotinhaltige Flüssigkeit, ein Liquid. Im vergangenen Jahr kündigte die FDA daher neue Regeln für E-Zigaretten an – und zwar mit der Grundannahme, dass die größte Gesundheitsgefahr beim Rauchen nicht durch das Nikotin selbst verursacht wird, sondern durch das Verbrennen des Tabaks. Ein Ansatz, der den Herstellern der E-Zigaretten durchaus gelegen kam.

Über zwei Millionen amerikanische Schüler rauchen E-Zigaretten

Doch Nikotin ist keine harmlose Substanz. Insbesondere für Kinder, deren Gehirn sich noch in der Entwicklung befindet, kann Nikotin schädlich sein. Es besteht außerdem Suchtgefahr. Zudem könnten E-Zigaretten höhere Mengen an Chemikalien freisetzen als herkömmliche Zigaretten. Jüngste Daten haben die FDA daher dazu veranlasst, ihre Position zu überdenken. Zu den neuen Erkenntnissen gehört auch ein Bericht des Center for Disease Control and Prevention.

Aus dem geht hervor, dass im vergangenen Jahr 2,1 Millionen Schüler von Middle Schools und High Schools E-Zigaretten geraucht haben. Dabei ist der Verkauf an Kinder und Jugendliche streng verboten. Im Rahmen einer groß angelegten Kontrolle hat die FDA festgestellt, dass die Produkte von allen fünf betroffenen Firmen auch von Kindern gekauft wurden. Zusammen repräsentieren die fünf Unternehmen fast den gesamten E-Zigaretten-Markt.

„Die FDA wird nicht tolerieren, dass eine ganze Generation junger Menschen von Nikotin abhängig wird, nur damit Erwachsene ungehinderten Zugang zu diesen Produkten haben“, sagte Scott Gottlieb von der FDA.

Seine Offensive scheint in erster Linie gegen Juul zu gehen, die beliebteste E-Zigarette der USA. Nach Daten von Nielsen hält die Marke dort einen Marktanteil von etwa 70 Prozent. In Europa sind Juul-Produkte derzeit nur in Großbritannien erhältlich. Juul hatte zuletzt bereits versucht, sein Image aufzubessern. Zuvor hatte es kritische Medienberichte gegeben, wonach die Juul-Produkte eine ungewöhnlich hohe Nikotinkonzentration aufweisen und in Geschmacksrichtungen wie Mango oder Vanille erhältlich seien, was sie besonders für Jugendliche attraktiv mache.

Liquids mit Aroma könnten verboten werden

Die FDA denkt nun über eine ganze Reihe möglicher Maßnahmen nach, sollten die Hersteller den Konsum durch Minderjährige nicht von sich aus eindämmen. Dazu zählt unter anderem die Unternehmen zu zwingen, ihre Verkaufs- und Marketingpraktiken zu überarbeiten, sowie den Vertrieb durch Einzelhändler zu verhindern, die nachweislich an Kinder verkauften. Außerdem könnten einige oder alle aromatisierten Liquids für E-Zigaretten aus dem Verkauf genommen werden, da diese bei Kindern besonders beliebt seien. Auch die Online-Shops der Unternehmen sollen überprüft werden, da einige Erwachsene hier als Strohmänner agierten und die Produkte dann an Minderjährige weiterverkauften.

Der Chef von Juul, Kevin Burns, sagte nach den Ankündigungen der FDA, dass seine Firma proaktiv mit der Behörde zusammenarbeiten wird. Er bestand aber darauf, dass die Produkte mit Aroma für erwachsene Raucher bestimmt seien. „Unsere Mission ist es, das Leben erwachsener Raucher zu verbessern, indem wir ihnen eine echte Alternative zu brennbaren Zigaretten bieten“, sagte Burns in einer Erklärung. „Die richtigen Aromen spielen eine wichtige Rolle, um erwachsene Raucher beim Umstieg zu unterstützen. Wir glauben, dass wir, wenn wir zusammenarbeiten, erwachsenen Rauchern helfen und gleichzeitig Minderjährigen den Zugang verwehren können. Wir wollen weiterhin mit der FDA zusammenarbeiten, um unsere Mission zu erfüllen.“

Aktienkurse der „alten“ Tabakhersteller profitierten

An den Börsen stiegen nach den Ankündigungen der FDA übrigens die Aktienkurse von traditionellen Tabak-Konzernen wie Philip Morris oder British American Tobacco kräftig an. Diese bieten zwar auch E-Zigaretten an, bisher aber nicht allzu erfolgreich. Die Anleger setzten wohl darauf, dass die Konzerne länger vom Verkauf normaler Zigaretten profitieren, wenn das Wachstum von neuen E-Zigaretten-Konkurrenten wie Juul durch die FDA gebremst wird.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED.com
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