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Ich habe mir alle „Star Wars“-Trailer angeschaut und jetzt will ich den Film nicht mehr sehen

Dominik Schönleben 14.12.2015 Lesezeit 7 Min

Die unbarmherzige Marketingstrategie von „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ geht WIRED-Redakteur Dominik Schönleben auf die Nerven. Mittlerweile hat er sogar die Lust am Kinobesuch verloren. Er ist sich sicher, die gesamte Story des Films schon zu kennen.

Der erste Teaser zu „Star Wars Episode VII“ war noch ein epischer Moment, als er im November vergangenen Jahres veröffentlicht wurde. Meine Kolleginnen und Kollegen versammelten sich im Büro um einen Rechner und wir alle verschlangen jeden einzelnen Frame unserer von Disney zum untoten Leben erweckten Kindheit. Wie wenig der Trailer damals zeigte, wird erst jetzt in der Retrospektive klar: Zwei kurze Aufnahmen von Finn und Rey und der Millenium Falke, wie er auf zwei TIE Fighter zufliegt. Die Message war eindeutig: Wir machen was Neues, aber keine Sorge, alles bleibt beim Alten.

Das war vor knapp einem Jahr. Seitdem folgte Teaser auf Teaser, Trailer auf Trailer und zahlreiche Videos, die hinter die Kulissen des Films blickten. Kein Film streute so methodisch und unaufhörlich kleine Schnipsel, um den Hype immer wieder aufs Neue zu befeuern, wie „Das Erwachen der Macht“. Mittlerweile bin ich davon so taub geworden, dass ich den Film überhaupt nicht mehr sehen möchte — denn eigentlich weiß man ja sowieso schon alles, was es über die Story zu wissen gibt. Vor allem der gerade erschienene Trailer für China scheint bereits das komplette Narrativ des Films offenzulegen:

Neben zwei Teasern und den zahlreichen Behind-the-Scenes-Videos gab es vier TV-Trailer, eine 60-sekündige Internet-Version, einen Dark-Side-Trailer, einen Internationalen Trailer sowie einen für Japan — und einen „geheimen“ TV-Spot, was auch immer das sein soll. Dazu kam eine Vorschau für das spanische Publikum, bei der ein Schauspieler am Anfang begeistert in die Kamera plappert, und eine spezielle Disney-Channel-Version, in der Kindern erst mal erklärt wird, was „Star Wars“ eigentlich ist und warum es so toll ist, dass ihnen ihre Eltern noch mehr Merchandise kaufen müssen.

In Wirklichkeit waren all die Trailer natürlich vor allem für den weltweiten Internet-Einsatz gedacht. Nicht umsonst erschien kein einziger von ihnen synchronisiert, sondern alle in der Weltsprache Englisch. Mittlerweile verliert man allerdings den Überblick. Insgesamt zähle ich im Moment zwölf Trailer mit über 15 Minuten Gesamtlaufzeit. Und ich bin mir fast sicher, dass ich mehrere vergessen oder verpasst habe. Jedenfalls, nach und nach legten all die Szenen und Schnipsel die Geschichte des Films offen.

!!!ACHTUNG: VÖLLIG SPEKULATIVE SPOILER VORAUS!!!

Anfangen wird alles wieder mit der Heldenreise, die den zentralen Rahmen der „Star Wars“-Mythologie ausmacht: Statt Luke Skywalker, dem ahnungslosen Moisture-Farmer, der das Imperium nur aus Erzählungen kennt, wird die Geschichte diesmal von der anderen Seite aufgezäumt und erhält so mehr Gewicht. Finn wurde in seiner Heimat als Stormtrooper zwangsverpflichtet und desertiert, nachdem er die Gräuel des Krieges gesehen hat. Er entkommt auf den Planeten Tatooine — ach nee, diesmal heißt der genau gleich aussehende Wüstenplanet doch Jakku... Wie auch immer: Unser Held hat den Ruf zum Abenteuer erhört.

Auf Tatooine Reloaded trifft Finn dann die Schrottsammlerin Rey, die zufällig gerade eben Bekanntschaft mit R2-D2 2.0 alias BB-8 gemacht hat. Dessen Mission ist „classified“, wie der neuste Trailer zeigte — aber dazu später mehr. Was es mit dem mysteriösen Droiden auf sich hat, wissen die beiden nicht. Gemeinsam durchsuchen sie die Überreste eines abgestürzten Sternenzerstörers und finden dort Lukes Lichtschwert, das er in Episode V verloren hat, als Vader ihm die Hand abschlug. Wie genau das Lichtschwert dorthin kam, wird später im Film erklärt. Vermutlich wurde es auf Befehl des Imperators nach dem Kampf geborgen, um aus der Hand von Luke einen neuen Skywalker zu klonen, den Palpatine nach seinen eigenen Wünschen formen kann (siehe dazu als Referenz die Expanded-Universe-Trilogie von Timothy Zahn). Alternativ ist es einfach von Vader-Fanboy und Nicht-Sithlord Kylo Ren gesammelte Memorabilia, die eigentlich nur zufällig an Bord des Schiffes war, als es plötzlich angegriffen wurde.

Kurz darauf treffen Finn und Rey ihren neuen Mentor. Die Rolle von Obi-Wan übernimmt diesmal Han Solo, der die beiden auf Jakku aufgabelt und sie auf einen anderen Planeten bringt (der ziemlich ähnlich wie Yavin 4 aussieht). Diesmal ist Han nicht der aufschneiderische wilde Schmuggler, sondern alt und weise. Die Macht? Kein Mumbo Jumbo für verrückte alte Zauberer: „It is true, all of it“, wie er im Trailer sagt. Dann erklärt er Finn ein paar Tricks mit dem Lichtschwert, die er irgendwann mal von Luke gelernt hat. Dabei wird er einige klassische „Star Wars“-Sätze sagen, etwa: „Trust your instincts.“

Angekommen auf einer Militär-Basis der neuen Republik kommt es zum ersten großen Kampf. Überraschenderweise greifen die Truppen von Kylo Ren an. Während die X-Wings sich in der Luft einen Kampf mit den TIE Fightern liefern, muss Finn zum ersten Mal mit dem Lichtschwert kämpfen, weil er seinen Blaster verliert. Natürlich scheitert er und Rey muss ihm in letzter Sekunde zu Hilfe kommen.

Der Todesstern 3.0 (rechts)

Doch die Angreifer sind nicht zu besiegen, die Helden müssen fliehen. Hier kommt, wie könnte es anders sein, der Moment, in dem es Probleme mit dem Hyperspeed-Drive gibt („Cheewie, du hättest ihn doch reparieren sollen!“ — „Rrrrroar“). Während ihnen ein Sternenzerstörer auf den Fersen ist, sehen die Helden, wie Kylo Ren seine neue ultimative Waffe an Fast-Yavin-4 testet. Der Todesstern 3.0 wird voraussichtlich einen anderen Namen tragen — ein neues Design hat er laut Filmplakat definitiv.

Der persönliche Sternenzerstörer von Kylo Ren hat den Millenium Falken schon fast eingeholt, als Han gerade irgendwo im Schiff rumschraubt und dieses in letzter Sekunde in den Hyperraum verfrachtet. Doch Kylo Ren konnte an Board des Falken eine ungewöhnliche Präsenz der Macht spüren. Um dieses Problem will er sich persönlich kümmern.

Nach ihrer Flucht lernen die Helden, was Han Solo eigentlich auf Jakku getan hat: Er war auf der Suche nach den Plänen für die neue ultimative Waffe des Ex-Imperiums. Diese sind, wie könnte es anders sein, auf BB-8 gespeichert, der sie aus den Datenbänken des abgestürzten Sternenzerstörers extrahiert hat.

Die geheime Basis der Rebellen — sorry, die werden ja jetzt Kämpfer der neuen Republik genannt — liegt wieder mal auf einem Eisplaneten, wo es zum ultimativen Showdown kommt. Der neue Todesstern ist auf dem Weg dorthin, doch Kylo Ren ist schon mal mit seinem persönlichen Shuttle vorausgeflogen.

Während der großen Offensive stellt er Finn zum Kampf. Er offenbart in diesem Moment, dass er eigentlich Luke Skywalker ist und die Maske angelegt hat, um seine Freunde vor der Wahrheit zu schützen. Luke hat nämlich festgestellt, dass er nur dann ein Gleichgewicht in der Macht herstellen kann, wenn er den Plan seines Vaters verwirklicht (siehe Episode V: „Join me, together we can rule the galaxy as father an son“). Er bietet Finn an, seine Schüler zu werden. Der verneint und greift ihn an. Doch Luke spielt nur mit ihm und schlägt ihm die Hand ab. Doch als er auf den geschlagenen Finn hinunterblickt sieht er seine eigene mechanische Hand und beginnt, zu zweifeln — er dreht sich um und lässt den Besiegten im Schnee zurück.

Zwischenzeitlich fliegt Rey zusammen mit Han und einem Geschwader X-Wing-Piloten in Richtung des neuen Todessterns. Die Schwachstelle ist diesmal eine Müllklappe der Sturmtruppen-Kantine, die zufällig direkt neben dem Reaktorkern gebaut wurde. Das per Torpedo entzündete alte Frittierfett verursacht eine Kettenreaktion. Ende.

(Jar-Jar Binks wird im Film nicht auftreten. J.J. Abrams schweigt ihn einfach tot. Das Beste, was „Star Wars“ passieren konnte.)

Und wenn ihr mir nicht glaubt, hier noch ein Link zu den ersten zwei Minuten von „Star Wars: Das Erwachen der Macht“, die aus einem Kino geleakt wurden.

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