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Airbus will jetzt von Spider-Man lernen

Wolfgang Kerler 12.09.2018 Lesezeit 2 Min

Das bayerische Start-up AMSilk und der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus starten eine Partnerschaft. Gemeinsam wollen sie ausprobieren, wie synthetische Spinnenseide im Flugzeugbau eingesetzt werden könnte. Das Material ist extrem widerstandsfähig, wiegt aber sehr wenig. Es könnte also dabei helfen, Treibstoffkosten zu sparen.

Es ist eine der dramatischten Szenen aus Spider-Man 2, der Comicverfilmung von 2004 mit Tobey Maguire in der Hauptrolle. Eine vollbesetzte U-Bahn rast auf das Ende der Gleise zu, die mitten in der Stadt überirdisch verlaufen. Stürzt der Zug in den Abgrund? Nein. Denn Spider-Man spannt seine Fäden zwischen den umliegenden Hochhäusern – und bremst damit den Zug. Klingt ziemlich unrealistisch, oder? Ist es aber nicht. Wissenschaftler haben längst nachgewiesen, dass ein Spinnennetz tatsächlich einen fahrenden Zug stoppen könnte.

Das Biotech-Start-up AMSilk aus Planegg bei München hat eine Technologie entwickelt, mit der sich das Wundermaterial Spinnenseide synthetisch herstellen lässt. Biosteel nennt es sein Produkt, also Biostahl. Es soll noch reißfester sein als die Seide von Spider-Man und dabei leichter als andere synthetische Stoffe wie Polyester. Schritt für Schritt will AMSilk seine Entwicklung in verschiedenen Branchen zum Einsatz bringen. Es könnte ein Milliardenmarkt werden.

Mit Adidas kooperiert die 2008 gegründete Firma schon, um biologisch abbaubare Sneaker herzustellen. Auch Medizintechnikunternehmen und Kosmetikhersteller lassen sich von AMSilk beliefern. Die Textilindustrie, die oft für die von ihr verursachten Umweltschäden kritisiert wird, soll ebenfalls an dem kompostierbaren Material interessiert sein, das mithilfe von Kolibakterien hergestellt wird. Nun ist aber erst einmal Airbus an der Reihe.

Airlines wünschen sich sparsame, große Flugzeuge

Gemeinsam wollen die beiden Firmen ein Leichtbauverbund-Material entwickeln, das – so die Hoffnung – irgendwann beim Bau leichterer Flugzeuge zum Einsatz kommen kann. Diese könnten sogar robuster sein als bisherige Konstruktionen, weil die synthetische Spinnenseide Schocks absorbieren kann. Die Airlines, also die Kunden von Airbus, wünschen sich immer größere Maschinen, die länger in der Luft bleiben können, aber weniger Kerosin verbrauchen. Denn der Preiskampf in der Luftfahrt ist hart. „Die Partnerschaft mit Airbus ist eine Chance, die gesamte Luft- und Raumfahrtindustrie auf einen neuen, starken und nachhaltigeren Kurs zu bringen“, sagt AMSilk-Chef Jens Klein.