Turing Pharmaceuticals erhöht den Preis des Aids-Medikaments Daraprim um 5.000 Prozent

Benedikt Plass-Fleßenkämper 22.09.2015 Lesezeit 2 Min

Turing Pharmaceuticals hat die Rechte an Daraprim erst im August erworben — und nun den Preis des Medikaments um satte 5.000 Prozent erhöht. Daraprim wird seit über 60 Jahren zur Behandlung von Toxoplasmose eingesetzt. Es handelt sich dabei um eine Krankheit, von der vor allem Aids-Patienten betroffen sind. Gegenüber dem Nachrichtensender Bloomberg bezeichnete Martin Shkreli, Ex-Hedgefonds-Manager und heutiger Turing-Geschäftsführer, die Pille als weiterhin „zu günstig“.

Die häufig auftretende Toxoplasmose wird unter anderem durch Katzen oder den Genuss von rohem Fleisch übertragen. Die Infektionskrankheit kann bei Patienten mit schwachem Immunsystem, beispielsweise bei Aids oder Krebs, sowie bei Kleinkindern tödlich sein. Das in der Medizin seit 62 Jahren eingesetzte Medikament Daraprim wird zur Toxoplasmose-Therapie benötigt und soll künftig deutlich mehr kosten.

Martin Shkreli, Gründer und Geschäftsführer von Turing Pharmaceuticals, ist mitverantwortlich für die drastische Preiserhöhung von 13,50 auf 750 US-Dollar. Der ehemalige Hedgefonds-Manager begründete beim US-Sender Bloomberg den Schritt damit, dass Daraprim zu günstig angeboten wurde und selbst der aktuelle Preis noch zu niedrig sei.

„Eine vollständige Behandlung kostet nur 1.000 Dollar. Wir wissen aber, dass beispielsweise Krebstherapien über 100.000 Dollar oder mehr und vergleichbare Therapiemöglichkeiten über eine halbe Million Dollar kosten können“, führt Shkreli im Interview aus.

Die Produktion einer Pille kostet Turing Pharmaceuticals weniger als einen US-Dollar. Hinzu kommen Aufwendungen für den Vertrieb und die Forschung. Mit dem Medikament verdiente das Unternehmen bislang nach eigenen Angaben lediglich fünf Millionen US-Dollar und ist der Meinung, dass „kein Pharmakonzern mit fünf Millionen arbeiten“ könne. Shkrelis Auftritt sorgte für großes Aufsehen. Judith Aberg, Sprecherin der HIV Medicine Association, zeigt sich besorgt über die Preiserhöhung und hofft weiterhin auf Unterstützung von Turing Pharmaceuticals.

Auch die US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton meldete sich auf Twitter zu Wort und versprach, Pläne für eine Besserung der Situation vorzulegen.

Zum Abschluss des Interviews machte Shkreli immerhin deutlich, dass sein Unternehmen Patienten nicht die Tür vor der Nase zuschlagen wird. Man werde Daraprim weiterhin für einen Dollar „an Patienten abgeben, die es sich nicht leisten können“. Langfristig plane man die Mehreinnahmen in die Erforschung neuer Wirkstoffe zu investieren, um den Kunden so eine bessere Therapie zu ermöglichen. Daraprim sei ein inzwischen sieben Jahre altes Produkt und habe viele Nebenwirkungen. Daran will der Pharmakonzern arbeiten und das Medikament langfristig vom Markt nehmen. Die Art, wie Shkreli die Pläne präsentierte und sich zudem via Twitter mit unreifen Postings gegen Kritik wehrte, lässt Zweifel an den guten Absichten des Konzerns aufkommen.