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10 Virtual-Reality-Games, die uns auf der Gamescom beeindruckten

Achim Fehrenbach 24.08.2018 Lesezeit 8 Min

Auf der Gamescom 2018 zeigt sich, dass die Virtual Reality nicht nur ein Techniktrend ist. Zahlreiche Entwickler und Publisher arbeiten an fantastischen VR-Erlebnissen. WIRED präsentiert euch 10 Virtual-Reality-Games, auf die ihr euch freuen könnt.

Die Virtual Reality lebt. Nach dem Hype der vergangenen Jahre ist es um die Technologie zwar etwas ruhiger geworden. Doch nach wie vor erscheinen fast täglich neue Games und Experiences. Besonders Indie-Studios tun sich mit innovativen Konzepten und ausgefallenen Ideen hervor. Aber auch große Publisher wie Ubisoft oder Sony setzen weiter auf VR. Bei Sony ist das wenig verwunderlich: Laut eigenen Angaben hat das Unternehmen bislang rund drei Millionen PS-VR-Brillen und 21,9 Millionen PS-VR-Spiele abgesetzt. Die Verkaufszahlen für Oculus Rift und HTC Vive sind etwas weniger berauschend, sie liegen deutlich unter denen des ersten Verkaufsjahres.

Für die größte Verbreitung der Virtual Reality sorgen aber ohnehin schlanke und im weitesten Sinne mobile VR-Systeme wie Samsung Gear VR und Google Daydream, die in Kombination mit Smartphones funktionieren. Zudem hat Oculus mit der Oculus Go im Mai ein Stand-Alone-Headset herausgebracht, das sich einiger Beliebtheit erfreut. Die Hardware-Veröffentlichungen gehen weiter: Erst kürzlich hat HTC die Vive Pro vorgestellt, die eine deutlich höhere Auflösung bietet und den Spielbereich auf maximal 10 mal 10 Meter vervierfacht. Zudem gibt es für Vive und Vive Pro seit diesem Sommer einen Adapter für kabellose Datenübertragung. Der nächste Schub für VR könnte 2019 kommen, wenn die hochauflösende, autarke Brille Oculus Santa Cruz kommt.

Kurz gesagt: Hardware-seitig geht die VR-Entwicklung zügig weiter. Doch können die Inhalte damit Schritt halten? Wird es den Game-Designern gelingen, nachhaltige und vor allem eigene Ausdrucksformen für VR zu entwickeln? Denn natürlich gibt es schon einige fantastische Games und Erfahrungen für die VR-Headsets. Aber um der Virtual Reality zum Durchbruch zu verhelfen, braucht es noch mehr. Daher haben wir uns auf der diesjährigen Gamescom nach VR-Spielen umgeschaut, die unverbrauchte Kulissen und Szenerien, originelle Spielmechaniken und magenverträgliche Erlebnisse bieten. Hier sind die Top 10 der spannendsten VR-Titel aus Köln!

A Fisherman’s Tale

A Fisherman’s Tale von Innerspace VR ist die größte VR-Überraschung der diesjährigen Gamesom. Das Spiel versetzt uns in die Rolle eines hölzernen Leuchtturmwärters, der ein recht geruhsames Leben führt – und als Hobby ein Miniaturmodell seines eigenen Häuschens baut. Als eines Tages ein besonders schwerer Sturm aufzieht, will der Wärter die Fischer auf See warnen, merkt aber, dass der Weg zum Leuchtturm verbarrikadiert ist. Und als er aus dem Fenster blickt, sieht er, dass er selbst nur eine Puppe in einem Modellhaus ist, die von seinem größeren Selbst gelenkt wird. Dieses Matrjoschka-Prinzip ist die Basis für ein packendes Escape-Room-Spiel: Um die Rätsel zu lösen, muss man unter anderem Gegenstände zwischen den verschiedenen Spielebenen verschieben. A Fisherman’s Tale stellt dabei auch ernste Fragen: Wie real und groß ist eigentlich die Welt, die wir wahrnehmen?

A Fisherman’s Tale soll im Herbst 2018 für Oculus Rift, HTC Vive, Windows Mixed Reality und Playstation VR erscheinen.

Townsmen VR

Achtung, hoher Wuselfaktor: Townsmen VR verbindet Einflüsse von Klassikern wie Black & White und Die Siedler. Als allmächtiger Schöpfer in Rittergestalt bauen wir auf einer kreisrunden Insel eine Gemeinde. Per Drag & Drop errichten wir Wohnhäuser, Windmühlen, Vorratsspeicher und Handwerksbetriebe. Den putzigen Einwohnern weisen wir bestimmte Aufgaben zu, indem wir sie in die entsprechenden Gebäude setzen. Dabei kommt es immer wieder zu Slapstick-Effekten, etwa dann, wenn wir aus Versehen einen Untertanen ins Meer wischen und dann gerade noch rechtzeitig herausfischen. Ziel ist es, eine funktionierende und wehrhafte Siedlung aufzubauen – denn schon bald greifen feindliche Truppen vom Meer aus an.

Townsmen VR ist bereits im Early Access für Oculus Rift, HTC Vive und Windows Mixed Reality verfügbar.

Transference

Nicht wenige VR-Games setzen auf Horrorkulissen, Jump Scares, Blut und Gemetzel. Der Grusel bei Transference ist subtiler und psychologischer. Gekonnt inszenieren das von Der-Herr-der-Ringe-Star Elijah Wood gestartete Studio Spectrevision und Ubisoft Montreal eine cineastische Geschichte, in der der brillante aber offenbar geistig zerrüttete Wissenschaftler Raymond Hayes eine digitale Simulation erschafft – und zwar aus den verbundenen Gehirndaten seiner Familie. Bei dem Experiment geht ganz offensichtlich eine Menge schief, und es ist an uns, die dunklen Geheimnisse der Familie in der virtuellen Realität zu enträtseln.

Transference soll im Herbst 2018 für Oculus Rift, HTC Vive, Windows Mixed Reality und Playstation VR erscheinen.

Firewall: Zero Hour

Erstaunlicherweise gibt es in VR bislang nur wenige wirklich ausgereifte Shooter – zum Beispiel Onward und Pavlov VR. Sonys PS-VR-Titel Bravo Team wurde zwar prominent angekündigt, konnte die Erwartungen aber nicht erfüllen. Firewall: Zero Hour könnte mehr Erfolg haben. Denn bei dem taktischen Shooter setzt das Studio First Contact auf die bewährte Rainbow-Six-Formel. Zwei Teams à zwei Spieler bekämpfen sich auf verschiedenen Maps: Team 1 muss einen Laptop mit wichtigen Informationen verteidigen, Team 2 den Laptop erreichen und hacken, bevor die fünfminütige Spielrunde vorbei ist. Auf der Gamescom machte uns das schon eine Menge Spaß – zumal der PS-VR-Ziel-Controller für zusätzliche Immersion sorgt.

Firewall: Zero Hour erscheint am 29. August für Playstation VR.

Space Junkies

Und noch ein Shooter – diesmal allerdings mit Science-Fiction-Kulisse. Space Junkies von Ubisoft Montpellier ist so etwas wie Unreal Tournament in der Schwerelosigkeit: Zwei Zweierteams malträtieren sich mit futuristischen und vor allem knallbunten Waffen. Ob das letztlich so viel Spaß macht wie im großartigen Echo Combat, wird sich noch zeigen. Immerhin bekommt Space Junkies das Problem der Motion Sickness mit geschickter Kameraführung und Blicksteuerung weitgehend in den Griff.

Space Junkies soll 2018 für Oculus Rift, HTC Vive und Windows Mixed Reality erscheinen.

Crazy Machines VR

Rube-Goldberg-Maschinen sind nicht wirklich effizient, im Gegenteil: Ihre Konstrukteure versuchen, aus möglichst vielen und möglichst komplizierten Einzelschritten eine Kettenreaktion zu erzeugen. Die Computerspielreihe Crazy Machines folgt diesem Prinzip bereits seit 2004 – und erfreut sich bei Fans ungebrochener Beliebtheit. Nun wagt das Leipziger Studio Fakt Software den Schritt in die Virtualität: In Crazy Machines VR wirken die verwendeten Gegenstände – vom Gummistiefel über den Basketball bis zum Flugauto – noch einmal deutlich plastischer als in der herkömmlichen Version. Außerdem bietet das Spiel einen Sandbox-Modus, in dem man nach Herzenslust herumexperimentieren kann.

Crazy Machines VR soll 2018 für Oculus Rift, HTC Vive, Windows Mixed Reality und Playstation VR erscheinen.

Astro Bot: Rescue Mission

Die winzigen Roboter zählten zu den unbestrittenen Stars in Sonys PS-VR-Starttitel Playroom VR – jetzt bekommen sie die Hauptrolle in Astro Bot: Rescue Mission. In dem turbulenten Platformer gilt es, den Blech-Winzling unbeschadet ans jeweilige Level-Ziel zu bringen. Dabei kommen Trampoline, Enterhaken, Schleudern und vieles mehr zum Einsatz. Zu den Highlights der Gamescom-Demo zählt der Kampf gegen einen feuerspuckenden Riesengorilla auf dem Dach eines Hochhauses, dem man mit viel Geduld das Gebiss fragmentiert. Das Spiel setzt einen gelungenen Kontrapunkt zu den Fantasy-2D-Jump'n'Runs Moss und Lucky's Tale.

Astro Bot: Rescue Mission soll am 4. Oktober für Playstation VR erscheinen.

VR Giants

VR Giants ist ein asymmetrisches Koop-Game des österreichischen Entwicklers Wolfgang Tschauko, das optisch stark an Minecraft erinnert. Der Clou: Nur einer der beiden Spieler trägt eine VR-Brille und spielt einen angeketteten Giganten, der andere schlüpft am herkömmlichen Computerbildschirm in die Rolle eines zwergenhaften Abenteurers. Nur gemeinsam können sie die vielen Rätsel und Fallen des Spiels bewältigen. Etwa dadurch, dass der Riese den Zwerg ganz behutsam auf eine Plattform hebt oder ihn vor heranfliegenden Feuerbällen beschützt. Bei der Gamescom-Demo entwickelten wir schnell eine große Fürsorglichkeit für das winzige Kerlchen. VR Giants dürfte Spielergruppen gefallen, die nur eine VR-Brille besitzen, aber dennoch im Couch-Koop Spaß haben wollen.

VR Giants soll 2019 im Early Access für Oculus Rift, HTC Vive und Windows Mixed Reality erscheinen.

Carly and the Reaperman

Auch Carly and the Reaperman setzt auf verteilte Rollen. Als vergnügter Knochenmann helfen VR-Brillenträger ihren Mitspielern bei der Bewältigung zunehmend vertrackter Level. Improvisationstalent, Kommunikation und Geschicklichkeit sind die Schlüssel zum Erfolg in diesem äußerst stimmungsvollen Rätsel-Platformer, der den VR-Trend zu asymmetrischen Gameplay eindrucksvoll unterstreicht.

Carly and the Reaperman ist am 19. Juni für Oculus Rift, HTC Vive und Windows Mixed Reality erschienen.

Nostos

Toll sieht es ja schon aus, das VR-MMO, das die chinesische Firma Netease auf der Gamescom angekündigt hat. Wir wandeln über saftig grünes, wogendes Gras, klettern auf Berge und bewundern gigantische Bauwerke in der Ferne. Nostos basiert auf Spatial OS, einer Technologie, die hunderte oder gar tausende Spieler in einer Shard ermöglicht. Wie sich das Gameplay in einer solch großen Spielwelt entwickelt, bleibt aber erstmal abzuwarten – wir sind gespannt!

Nostos soll 2019 für Oculus Rift, HTC Vive und Windows Mixed Reality erscheinen.