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Eine neue Berliner Universität für Techies bekommt die staatliche Zulassung

Hannah Scherkamp, Gründerszene 27.03.2017

Thomas Bachem wünscht sich ein praxisnahes Informatik-Studium. Deswegen hat er die Code University gestartet, die von zahlreichen Gründern unterstützt wird.

Update, 17.07.2017: Die neu gegründete Hochschule Code University hat die staatliche Zulassung erhalten. Zehn Monate hatte das Verfahren gedauert, dann sprach der Berliner Senat auf Empfehlung des Wissenschaftsrates die Zulassung aus. Die Code University ist jetzt einer staatlichen Fachhochschule gleichgestellt. 

Welche Ausbildung braucht eigentlich jemand, der ein Startup gründen oder ein Tech-Unternehmen erfolgreich führen will? Bei dieser Frage fallen häufig Namen wie WHU, HHL oder die Universität Mannheim. Doch auch Absolventen dieser Hochschulen geben nach ihrem Abschluss gerne zu, dass ihnen für die Gründung vor allem das Netzwerk geholfen habe – die Inhalte allerdings weniger.

Manche Gründer erzählen, dass sie in Marketing-Kursen nichts über Online-Marketing gelernt hätten. Programmieren können die meisten Abgänger ebenfalls nicht. Dabei würden das viele angehende Startup-Führungskräfte gerne können, ein reines Informatikstudium ist ihnen aber zu trocken. 

Ähnlich erging es Thomas Bachem. Der 31-jährige Gründer, der sein Startup Lebenslauf.com 2014 an Xing verkaufte, studierte lieber BWL an einer Kölner Fachhochschule anstatt Informatik. Der Grund: zu praxisfern. Bachem brachte sich das Programmieren selbst bei, baute schon als Teenager Internetseiten für Kunden.

Thomas Bachem hätte selbst gerne praxisnah Informatik studiert

Nach seinem Exit an Xing und der ersten Million auf dem Konto erfüllt sich Bachem mit der Code University nun einen lang gehegten Traum: Die erste private Fachhochschule für Programmierer in Deutschland, die Informatik nicht mehr theorielastig, sondern praxisnah und interdisziplinär lehren will. Ab dem nächsten Wintersemester, das im Oktober beginnt, sollen die ersten Studenten einsteigen.

Die geplanten Bachelor-Studiengänge heißen Software Engineering, Interaction Design und Product Management. Der erste Standort entsteht aktuell in Kooperation mit der Berliner Factory. Interessierte können sich bereits bewerben und auf eine Rückmeldung bis August hoffen.

Neben Thomas Bachem gehören Manuel Dolderer und Jonathan Rüth zum Gründungsteam. Bachem finanzierte das Projekt bisher aus seinem privaten Vermögen. Nun gibt es eine erste externe Kapitalspritze: Die Gründer haben ganze fünf Millionen Euro von zahlreichen Business Angels eingesammelt. Die Liste mit prominenten Namen ist lang: Trivago-Gründer Rolf Schrömgens, Otto-Erbe Benjamin Otto, DHDL-Löwe Frank Thelen, Project-A-Gründer Florian Heinemann, Netzwerkerin Verena Pausder, IDnow-Gründer Felix Haas, Bigpoint-Macher Heiko Hubertz, Christian Reber, Erfinder der App Wunderlist, oder Movinga-Chef Finn Hänsel. Und das sind nur einige der Namen.

Von dem eingesammelten Geld will Bachem vor allem die Lehrkräfte bezahlen. Die Studenten werden aber trotzdem zur Kasse gebeten. 26.900 Euro für drei Jahre soll ein Bachelor-Studium an der Code University kosten. Eine Menge Geld – gerade für deutsche Studenten, die an jeder öffentlichen Hochschule im Land kostenlos studieren können. Doch auch hierfür hat Bachem schon eine Lösung: Die Studenten sollen während der Ausbildung nichts bezahlen müssen. Nach dem Abschluss müssen sie dann allerdings etwa 6,5 Prozent ihres Jahreseinkommens über zehn Jahre abdrücken (bei sehr hohen Gehältern wird der Beitrag gedeckelt, bei sehr niedrigen Einkommen fällt er gar nicht erst an). 

50 bis 100 Studenten sollen ab Oktober an der Code University studieren. Die meiste Zeit sollen sie in kleinen Kursen Projekte erarbeiten – wenn möglich, in Zusammenarbeit mit großen Unternehmen. 

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene.
Das Original lest ihr hier.

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