THINK – Pamela Ronald: Gentechnik wird grün

von WIRED Redaktion am 29. Januar 2013

Pamela Ronald

Pamela Ronald ist Pflanzenbiologin. Aus ihrem Labor stammen krankheitsresistente Reissorten.

Warum Bauern heute oft gentechnisch veränderte Saatgutsorten anbauen, lässt sich am Beispiel von Baumwollsorten erklären, die in ihren Zellen das Gift eines Bakteriums produzieren. Dieses sogenannte Bt-Protein tötet Fressfeinde der Baumwollpflanzen aber schadet harmlosen Insekten nicht. Auch für Menschen ist das Bt-Gift gefahrlos, weshalb es seit mehr als 50 Jahren im traditionellen ökologischen Landbau zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt wird. Heute bauen zwischen 70 und 90 Prozent der Baumwollbauern in den USA, in China und Indien gentechnisch veränderte Bt-Baumwolle an.

Im April 2012 haben chinesische und französische Agrarforscher Zahlen präsentiert, nach denen der Anbau von Bt-Baumwolle den Einsatz von Spritzmitteln in China drastisch reduziert hat. Zugleich ist die Artenvielfalt auf diesen Feldern gestiegen. Der Verzicht auf Spritzmittel ließ außerdem die Zahl der Vergiftungen unter den Farmern sinken.

Agrarforscher aus Göttingen haben erst im Mai nachgewiesen, dass die Ernteerträge indischer Bauern, die Bt-Baumwolle auf ihre Felder pflanzten, um 24 Prozent stiegen. Ihr Profit wuchs sogar um 50 Prozent.

Ein weiteres Beispiel sind gentechnisch veränderte Papayas. -Biotechnologen haben ihnen Gene eingepflanzt, die sie immun gegen ein Virus machen, das Mitte der 1990er-Jahre einen Großteil der weltweiten Ernten zerstört hatte. Virus-resistente Sorten wachsen inzwischen auf 99 Prozent der chinesischen und 90 Prozent der hawaiianischen Papaya-Plantagen. Keine andere Methode – ob ökologisch oder konventionell – hat das Virus bislang unter Kontrolle bringen können.

Diese Fallbeispiele stehen für den Triumph der Biologie über die Schädlingsbekämpfungsmittel der chemischen Industrie, der von ökologischen Landwirten immer beschworen wird. Warum nur fürchten sich noch immer so viele Menschen vor der Gentechnik?

Ein Teil der Skepsis stammt wahrscheinlich daher, dass in der Diskussion meist alle gentechnisch veränderten Gewächse in einen Topf geworfen werden, ohne zu berücksichtigen, für welchen Zweck sie erschaffen wurden, die Bedürfnisse der Landwirte zu kennen oder welchen Nutzen sie für die Umwelt, die Wirtschaft und die  Ernährung bieten. Viele Menschen, die sich lebhaft an der Diskussion beteiligen, ignorieren auch, dass sowohl der Nationale Forschungsrat der USA als auch die Europäische Kommission zu dem Schluss gekommen sind, dass genetisch veränderte Pflanzen nicht gefährlicher sind als konventionell gezüchtete und dass alle Sorten auf dem Markt keine Gefahr für Mensch oder Umwelt darstellen.

Unabhängig von Sicherheit und Nutzen gentechnisch veränderter Saaten ist klar, dass sie nur einen Baustein in einer nachhaltigen Landwirtschaft darstellen. Auch die produktivste Sorte kann nur im Zusammenspiel mit einer ökologisch fundierten Anbaupraxis ihr volles Potenzial entfalten. Dazu gehören eine ausgereifte Fruchtfolge, landwirtschaftlich nicht genutzte Zonen und im Falle von Bt-Sorten ein Streifen mit genetisch unveränderten Pflanzen am Rand der Felder. Ansonsten können Schädlinge Resistenzen gegen das Bt-Gift entwickeln.

Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung wird es immer wichtiger, mehr Nahrung zu produzieren, ohne den Planeten zu zerstören. Das ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Der Schlüssel zu einer umweltfreundlichen Landwirtschaft im 21. Jahrhundert liegt in der Verbindung von ökologischen Anbaumethoden und moderner Pflanzenzucht.

Pamela Ronalds Kolumne stammt aus der Rubrik THINK in Ausgabe 2/2012 der deutschen WIRED.

{ 4 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Was bitte? Februar 19, 2013 um 16:44

Wer hat den hier bitte recherchiert? Wenn man da überhaupt von Recherche sprechen kann, einseitiger kann Berichterstattung wohl nicht mehr sein …

Allein auf den Seiten der Saatgutkonzerne nach Antworten zu suchen kann doch bitte nicht Ihr ernst sein. Gentechnisch verändertes Saatgut ist keineswegs so harmlos wie herkömmliches, auch wenn uns das Firmen wie Monsanto, Bayer Pioneer & co gern weismachen wollen. Oft lösen sie bei Mensch und Tier Allergien aus, der Einsatz von Pestiziden wird nicht vermindert sondern erhöht sich drastisch (nur ein Beispiel Round up http://de.wikipedia.org/wiki/Roundup, basiert auf dem Entlaubungsmittel Agent orange aus dem Vietnamkrieg und ist auch von der gleichen Firma) hinzu kommt das sich Bauern (und somit wir alle) in eine Abhängigkeit begeben da Saatgut nicht mehr selbst gezüchtet werden kann sondern immer bei den besagten Firmen gekauft werden muss, was das bedeutet kann man sich vorstellen, hatte Henry Kissinger schon auf den Punkt gebracht: „Kontrolliere die Nahrungsmittel, und du kontrollierst das Volk.“

Das Argument mit der Weltbevölkerung ist ebenfalls völlig haltlos und einfach falsch! Wir haben auf unserem Planeten nicht zu wenig Nahrung, sie wird einfach nicht ordentlich verteilt. Während wir Tonnen an Nahrung einfach wegwerfen, andere Nahrungsmittel einfach verbrennen um daraus Energie zu gewinnen verhungern andere Menschen. So etwas wird sich auch mit Gentechnik nicht ändern, mal abgesehen davon das sich Menschen in Entwicklungsländern dieses Saatgut und die dazu benötigten Pestizide nicht bezahlen können.

Ich bin wirklich erschüttert wie ein Großer Verlag so einen Artikel veröffentlichen kann und das in unserem Zeitalter …
Das ist einfach nur positive PR für skrupellose Firmen!

Hier kann man sich auch noch einmal zum tollsten Saatguthersteller (Monsanto) informieren:
http://www.youtube.com/watch?v=gDrvFiRwWP8

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bla März 9, 2013 um 12:47

Aufgrund der offenen Einseitigkeit des Artikels nehme ich an, dass er in einer speziellen Kolumne publiziert wird in welcher dies zum Schreibstil gehört.

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Alexander von Streit März 11, 2013 um 10:58

Ja, dies ist eine Kolumne aus der Rubrik Think bei WIRED Deutschland. Hier vertreten die Kolumnisten eigene, auch gerne provokante Thesen.

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Achso … März 20, 2013 um 20:54

… damit kann man dann auch seine Verantwortung an der Garderobe abgeben. Neben Pressefreiheit und objektiver Berichterstattung ist ja noch genug platz.

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